Aber, wenn schon Vorbild, dann der Brite David Frost, den Sie aus dem Film "Frost / Nixon" kennen. Er war ein Hero, der im Interview alles bekam, was er wollte. Er öffnete den Leuten kleine Türchen, durch die sie durchgehen konnten. Darauf hatten sie vielleicht ein Leben lang gewartet - und nun erzählten sie.

teleschau: Mit ihrem ZDF-Zweiteiler "Kreml, Kaviar und Milliarden" betrieben Sie einen ziemlichen Aufwand. Trägt sich so etwas wirtschaftlich überhaupt?

von Boehm: Ich bin viermal nach Russland, viermal nach England gereist, es gab 30 Termine mit über zehn Protagonisten. Das ZDF hatte viel Geduld bei der Endfertigung, die sich verzögerte. Was die Kosten betrifft, so muss man eben noch rationeller arbeiten. Es gibt nicht mehr Geld, aber die Ansprüche werden immer höher. Es gibt Dinge, die vielleicht viel bringen, ein andermal wieder setzt man einfach sein Herzblut daran. Das Leben ist eben eine Mischkalkulation.

teleschau: Klingt ganz wie Roland Berger. Andererseits haben wir Sie im Verdacht, dass Sie irgendwann einen großen Spielfilm machen. Sie bezeichnen sich ja ausdrücklich als Filmmensch.

von Boehm: Es wird gerade ein Drehbuch für einen Spielfilm geschrieben, den ich als Regisseur machen will. Es geht um ein Ereignis, das tatsächlich stattgefunden hat.

teleschau: Ein historischer Stoff, womöglich aus der Nazizeit?

von Boehm: Nein, es geht um Terrorismus und um Geheimdienste, also um mein Lieblingsthema: die Macht.

teleschau: Spielfilme brauchen viel Zeit. Wann darf man damit rechnen, in zehn Jahren vielleicht?

von Boehm: Ich bin nicht Michael Hanecke, der für seinen Cannes-Gewinner "Das weiße Band", einen großartigen Film, 15 Jahre gearbeitet hat. Es wird hoffentlich in absehbarer Zukunft sein.

teleschau: In ihren Gesprächen und Dokumentationen setzen Sie stets auf Popularität, verdirbt Ihnen das nicht den Grimme-Preis?

von Boehm: Ich riskiere eine Gratwanderung. Ich will ja Leute erreichen, um ihnen etwas Bestimmtes zu vermitteln und locke sie daher durch eine ansprechende Form. Nehmen sie den Russland-Film über die Oligarchen: Ich zeige das System, wie es funktioniert - die Abhängigkeit der Poitik, an deren Spitze Putin steht, von den Oligarchen, und umgekehrt. Ich gehe mit den Reichen in ihre Häuser, auf ihre Schiffe und in die Disko. So bleiben die Zuschauer dran. Dass wir dann doch nur knapp drei Millionen Zuschauer hatten, lag am schwierigen Sendetermin. Im Ersten lief ein sehr beliebtes Kontrastprogramm: die Serie "Um Himmels Willen"

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Autor: Wilfried Geldner/teleschau - der mediendienst
Bilder: ZDF / Klaus Weddig ZDF / Tibor Szalma

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