Immerhin hat er, ziemlich weitsichtig, 2007 alle seine Aktien verkauft. Es fehlte ihm unter anderem an der notwendigen Kontrolle der Banken.
teleschau: Bei aller Hochachtung: Die Funktion des Unternehmensberaters hat bei Abwicklungen und Fusionen ihre unangenehmen Seiten. Sprechen Sie auch über Opel, wo er als Berater - und angeblich als Kontakter für Fiat - tätig war?
von Boehm: Im Fall Opel war er weder Berater der Regierung noch bei irgendwelchen bilateralen politischen Gesprächen dabei. Er bringt ja Leute im Hintergrund zusammen. Er hat ein großes Missionsverständnis, will in einer bestimmten Situation den Leuten nutzen. Dabei ist er ein Mensch voller Emotionen, kein Beweger von Schachfiguren, wie man vielleicht glauben mag.
teleschau: Sie bemühen sich in ihren Sendungen besonders um die populäre Vermittlung von Wissenschaft. Haben Sie neue Pläne?
von Boehm: Ich bin mit meiner Firma Interscience Film gerade dabei, ein neues Format mit dem Publizisten und Philosophen Richard David Precht zu entwickeln. Precht ist ein äußerst spannender junger philosophischer Autor, der gerade mit zwei Titeln auf der Bücher-Bestsellerliste steht und ein neues philosophisches Nachdenken in die Gesellschaft getragen hat. Es geht um Ethik, um Fragen wie: Wer sind wir? oder: Was ist eigentlich Glück?
teleschau: Treten Sie selber auf?
von Boehm: Um Gottes willen! Ich habe damit nichts zu tun auf dem Bildschirm. Precht agiert zunächst als Allein-Performer, als Standup-Philosoph, danach wird er zwei Gäste haben. Am Ende macht er dann eine Conclusio. Das Ganze passiert nicht im Studio, wir gehen raus. Ich bin ein Filmmensch, ich will Bilder haben.
teleschau: Haben Sie schon einen Sendeplatz?
von Boehm: Wir drehen im Sommer erst mal einen Piloten. Aber ich hoffe darauf, dass man beim ZDF nach dem Weggang von Johannes B. Kerner zu Sat.1 manche Abende anders strukturieren und kulturell ausrichten wird.
teleschau: Sie sind kein Freund der üblichen Talkrunden.
von Boehm: Es muss Talksendungen geben, aber eben nicht nur. Ich bin bei 3sat der letzte Mohikaner, der sich 45 Minuten lang mit einem Menschen unterhält, der sich wirklich auf ihn einzulassen versucht. Vielleicht ein Minderheitenformat, aber es schauen immerhin mehrere hunderttausend Zuschauer zu. Bei Farah Diba waren es 600.000.
teleschau: Gibt es Vorbilder für Sie: Gaus, Troller, Scholl-Latour?
von Boehm: Gaus war dann doch zu pädagogisch, ich mochte das Einsteigen von Troller, den Zugriff von Peter Scholl-Latour, seine Skepsis, seine scharfsichtigen Analysen
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