Und die es auch schaffen, ihre Musik modern und relevant klingen zu lassen. Nimm Glasvegas oder die Killers zum Beispiel. Es gehört eben auch ein bisschen Glück dazu. Manchmal ist dein Timing eben einfach "out".
teleschau: Geht's inhaltlich auch um Weltpolitik auf "Graffiti Soul"? Themen gäbe es ja genug.
Kerr: Es geht um nichts im direkten politischen Sinne, wenn Fans vielleicht an Alben wie "Street Fighting Years" denken und die damaligen Themen wie Menschenrechte, Rassismus, Atomkriegsgefahr oder den Nordirlandkonflikt. Diese Texte sind aus jenem Zeitgeist entstanden. Die Welt hat sich verändert. Es gibt heute zum Beispiel nicht mehr jene Polaritäten: Kommunismus und Kapitalismus, Russland und Amerika, Reagan und Gorbatschow. Aber es gibt genügend andere Themen, die jeder für sich selbst finden kann. Wenn du heute in einen Supermarkt gehst, kannst du ein politisches Statement damit abgeben, welchen Kaffee du kaufst. Auch was du für ein T-Shirt trägst, kann ein Statement sein. Oder dass du den Zug nimmst, anstatt zu fliegen.
teleschau: Glaubst Du immer noch, Musik könne die Welt verändern?
Kerr: Musik alleine vermag das nicht. Aber ich erinnere mich an einen Satz von Nelson Mandela, als er nach seiner Freilassung eine Pressekonferenz einberaumte, zu der auch wir eingeladen waren. Ich fand das übrigens fast ein bisschen beschämend, weil einige Leute des ANC ihr Leben dafür geopfert hatten, um die Apartheid abzuschaffen. Wir dagegen hatten nur einen Song geschrieben. Mandela sagte damals: "In der Zeit, als keine Stimme in diesem Land erlaubt war, vernahmen wir zum Glück die Stimmen der Künstler von außen." Also: Kunst kann einen Effekt haben! Sie kann keine Systeme verändern, aber sie kann Menschen Mut machen und Selbstvertrauen geben aufzustehen. Sie kann zu neuen Gedanken anregen und eine Öffentlichkeit schaffen.
teleschau: Bei den Simple Minds gab's eine Menge Personalwechsel. Geblieben ist die Freundschaft zwischen Dir und Charlie. Was macht die Chemie zwischen Euch aus?
Kerr: Wir haben nie überlegt, was diese Freundschaft ausmacht. Bei vielen Bands, die auf der Konstellation zwischen Gitarrist und Sänger beruhen, ist das eine Sandkastenfreundschaft. Die Rolling Stones sind ein Beispiel, Aerosmith ein anderes. Auch Jim und ich sind zusammen aufgewachsen. Und am meisten überrascht uns, dass wir uns in einigen Sachen so ähnlich sind und in anderen wiederum völlig verschieden. Wir sind beide Koautoren der gleichen, seltsamen Geschichte, an der wir nun schon seit 30 Jahren schreiben (lacht)
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