"Army go home!" - Der Feind ist die Langeweile

Auf welchem Trip ist der denn? Diese Frage stellte sich wohl nicht nur David Letterman, als Joaquin Phoenix im Februar zu einem denkwürdigen Auftritt in der "Late Show" vorbeischaute. Der 34-jährige (Ex-)Schauspieler, der sich neuerdings lieber zum Rapmusiker berufen fühlt, erschien mit Rauschebart und Sonnenbrille und brachte kaum einen zusammenhängenden Satz heraus. Dabei hätte er eigentlich seinen vielleicht letzten Film, "Two Lovers", promoten sollen. So ganz wird sich Phoenix aber wohl doch nicht aus dem Filmgeschäft zurückziehen. Schwager Casey Affleck plant angeblich eine Dokumentation über den plötzlichen Karrierewechsel des "Walk the Line"-Stars. Für Phoenix bleibt zu hoffen, dass sich das Ganze doch noch als großer Streich entpuppt, wie schon manch einer spekulierte. Die Fans können sich derweil nur mit Wiederholungen trösten: Die ARD zeigt die bitterböse Militär-Posse "Army go home!" (2001).

US-Panzer und Lkw, die durch die Stadt donnern, gehörten bis Ende der 80er-Jahre in vielen Gegenden Deutschlands zum Straßenbild. Bis zu 350.000 amerikanische Soldaten lebten damals auf 64 Militärbasen. Es waren auf den Kampf gedrillte junge Männer, die jedoch "nichts weiter totzuschlagen hatten außer der Zeit". So bringt Ray Elwood, die Hauptfigur in "Army go home!", die Situation auf den Punkt.

Der in Deutschland stationierte Soldat Ray Elwood (Phoenix) hat ein Rezept gegen die Langeweile gefunden: Umgeben von Kiffern und Losern, die Manöver wie Schnitzeljagden durchführen, betreibt der charmante Gauner unter den Augen seines gutgläubigen Commanders (Ed Harris) Schwarz- und Drogenhandel. Doch dann taucht der neue Vorgesetzte Lee (Scott Glenn) mit seiner verführerischen Tochter (Anna Paquin) auf und nimmt sich vor, auf dem Stützpunkt aufzuräumen. So verkompliziert sich Elwoods angenehmes Leben auf mehreren Ebenen plötzlich erheblich.

Der australische Regisseur Gregor Jordan beweist in seinem zweiten Spielfilm absolute Respektlosigkeit gegenüber der amerikanischen Armee. Die GIs präsentieren sich als ein Haufen verwahrloster Irrer, die unter unfähigen Offizieren unsinnige Manöver ausführen.

Gedreht wurde in einer Kaserne in der Nähe von Karlsruhe und an weiteren Locations in Südwestdeutschland. Lästermäuler und US-Kritiker kommen bei der im Stil von "M.A.S.H." gehaltenen Satire auf ihre Kosten, denn der Film versteht sich als Gegenentwurf des Hollywood-Kinos: Er führt Patriotismus ad absurdum und wehrt sich gegen die Verklärung des Soldatentums.
Ausstrahlung am 01.07.2009 um 00:35 Uhr auf ARD

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Autor: Bernd Fetsch/teleschau - der mediendienst
Bilder: ARD / Degeto

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