"37°: Kleine Haustyrannen" - Teenager außer Kontrolle

Von der Mutter wie eine gleichwertige Partnerin behandelt, vom Vater nach Strich und Faden verwöhnt. Klingt, als würde Linda ein paradiesisches Dasein führen. Tatsächlich aber führte genau das die 15-Jährige in eine therapeutische Wohngemeinschaft. Autorin und Filmemacherin Katrin Wegner schaut sich in ihrer ZDF-Reportage "37°: Kleine Haustyrannen" an, was passiert, wenn Kinder wegen Überfürsorge außer Rand und Band geraten. Denn es kommt - buchstäblich - in den besten Familien vor, und das immer häufiger ...

"Ich mache nur, was mir Spaß macht." - Linda, Tochter einer Apothekerin und eines Psychiaters, lässt sich überhaupt nichts sagen. Die Eltern leben getrennt und verfolgten verschiedene Erziehungsstile. Die Mutter verhielt sich lange eher wie eine Freundin, der Vater setzte so wenige Grenzen wie möglich: Damit das Kind sich frei entfalten kann. Ab dem Alter von zwölf Jahren schwänzte Linda die Schule, lebte zum Teil sogar auf der Straße und wurde eines Tages gewalttätig gegen die eigene Mutter.

Heute lebt Linda in einer therapeutischen WG in Wernigerode. Die Villa ist luxuriös ausgestattet - entsprechend dem gewohnten Lebensstandard ihrer Bewohner - doch hier herrschen strenge Regeln und ein strukturierter Tagesablauf. Das fällt Linda zunächst schwer. "Das ist alles so anstrengend für mich, weil es harte Arbeit an mir selbst ist."

Neben Linda stellt Katrin Wegner eine weitere Familie vor, die sich mit zwei tyrannischen Töchtern auseinandersetzen muss. Hier ist das TV-Team bei einer Therapiesitzung mit dem Kinderpsychiater und Bestsellerautor Michael Winterhoff dabei, der neben dem Gründer-Paar der Wernigerode-WG als Experte Stellung nimmt.

In Katrin Wegners Film soll sowohl die Sichtweise der Eltern als auch die der Kinder zur Geltung kommen. "Was mich interessiert, ist: Welche Strategien haben die Kinder, um ihre Wünsche sofort befriedigt zu bekommen? Welches Bild haben sie von ihren Eltern? Wie erleben sie sich selbst in ihrem tyrannischen Auftreten? Wie erleben sie den Prozess einer Veränderung?"

Es scheint in Deutschland erhöhter Bedarf an Nobel-Nannys zu bestehen. Das Thema narzisstischer Nachwuchs und hilflose Eltern ist allgegenwärtig auf Bestsellerlisten und Talkshow-Sofas. Katrin Wegner bekam von Beratungsstellen bestätigt: Gerade gut situierte, akademische Familien sind vielfach von diesem Problem betroffen. "Anscheinend herrscht neben einer gesellschaftlichen und wirtschaftlichen auch eine große Unsicherheit in der Art, wie man am besten sein Kind erzieht. Da scheinen sich Menschen vermehrt nicht mehr auf ihre Intuition verlassen zu können."
Ausstrahlung am 30.06.2009 um 22:15 Uhr auf ZDF

Autor: Petra Fürst/teleschau - der mediendienst

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