Was Kinski und R. Kelly verbindet: Kool Savas' "John Bello Story" geht in die dritte Runde
Was Innenarchitekten sich einfallen lassen, wenn ihnen langweilig ist, macht nicht immer Sinn. Ein gutes Beispiel dafür ist der Konferenzraum des Berliner Hotels, in dem Kool Savas seine Interviews gibt. Dieser ist teilweise verglast. Das bedeutet, dass man sehen kann, wer so den Gang entlangläuft. Das bedeutet aber auch, dass jeder reinschauen kann. Einer der üblichen Wirtschaftsreisenden (grauer Anzug, graue Haare, vermutlich grauer Blackberry) bleibt einmal kurz stehen und guckt. Recht lange, bestimmt eine halbe Minute. Später geht Melanie vorbei. Savas' Ex-Freundin, jetzt gute Freundin, immer noch seine Haus- und Hofproduzentin. Der Rapper holt sie kurz rein. Küsschen, dann geht's weiter. Ein Gangster-Rapper? Nö. Einer, der immer authentisch blieb? Auf jeden Fall. Jetzt erscheint "John Bello Story III" - kein Album im klassischen Sinne, sondern ein sogenanntes Mixtape, das unter anderem Azad, Olli Banjo und Curse als Gäste hat.
teleschau: Der zweite Teil der "John Bello Story" ist gerade einmal eineinhalb Jahre her. Eigentlich hat jeder mit einem "richtigen" Savas-Album gerechnet ...
Kool Savas: Du hast recht - und ei

gentlich war das auch alles ganz anders geplant. Wir wollten etwas Neues mit MMS (Kollaboration von Savas, Melbeatz und dem Sänger Moe) herausbringen, dann stand noch eine andere Zusammenarbeit im Raum, und schließlich in der Tat mein neues Soloalbum. Aber wir hatten noch nicht genug. Und machten also erst mal das hier. Weißt Du, man muss ja solche Projekte auch finanziell stemmen können. Und da muss man sich so eine Art Fell anfressen. Dafür ist John Bello immer gut, weil es sich mit relativ wenigen Mitteln verwirklichen lässt.
teleschau: Dennoch hat man beim Hören von "John Bello Story III" oft den Eindruck, dass Du das Genre Mixtape und Battle verlässt und teilweise wie an einem klassischen Album arbeitest. Siehst Du das genauso?
Kool Savas: In der Tat wur

den unsere Ansprüche während der Aufnahmen immer höher. Wir haben uns dann mit dem Gedanken angefreundet, so eine Art Hybrid zu machen. Guter Rapper, gute Produktion, guter Gesang. Es war uns wichtig, Moe draufzunehmen. Auch, um zu zeigen, was der Typ alles kann.
teleschau: Wie wichtig ist denn noch der klassische Battle-Aspekt? Macht das Rappen Dir mehr Spaß, wenn Du Dich mit anderen misst?
Kool Savas: Das macht total Spaß. Weil es ja etwas sehr Freundschaftliches ist. Typen wie Olli Banjo und Mo Trip liebe ich einfach. Die beiden waren bei den Aufnahmen meistens dabei. Wenn einer dann einen geilen Part vorrappt, will man natürlich auch was Gutes abliefern. Da entsteht dann eine Art positiver Wettbewerb. Wir hatten ein Studio, in dem tatsächlich alle pennen

können. Das machte es viel leichter und sorgte auch für eine richtig konzentrierte Stimmung.
teleschau: "Weg nach draußen" ist eine Soul-Ballade, die inhaltlich so ein bisschen R.Kelly hochnimmt ...
Kool Savas: Ich höre tatsächlich viel R. Kelly. Dieser Vibe fällt mir echt heute total leicht. Es war vier Uhr nachts, als wir den Song aufnahmen. !Bazz, der die Platte größtenteils gemeinsam mit Melbeatz produzierte, saß da, spielte mit irgendwelchen Drumpatterns rum, legte dann noch 'ne Fläche drauf. Und dann machten wir halt so 'nen R'n'B-Text, den ich am total schnell einsang. Am Ende legten wir noch Elastic Audio drüber, das ist so was Ähnliches wie Autotune. Es sollte halt alle Klischees erfüllen, die es in dem Genre gibt
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