Was nicht passt, wird passend gemacht: "Exclusiv Spezial" filmt "Brigitte Nielsen in der Promi-Beauty-Klinik" (vier Folgen, ab 6. Juli, sonntags, 19.0

(tsch) Was peinliche Auftritte in der Öffentlichkeit angeht, ist die dänische Skandalhünin Brigitte Nielsen extrem schmerzfrei. Nachdem sie das Publikum bereits an ihren Suchtproblemen teilhaben ließ ("Celebrity Rehab") und mit Rap-Gnom Flavor Flav turtelte ("Strange Love", "Flavor of Love", MTV), wird sie sich nun - als erster Promi überhaupt - vor laufenden Kameras generalüberholen lassen. In drei großen Operationen sollen "Balkon" und "Fassade" der 44-Jährigen wieder auf Vordermann gebracht werden. "Es ist wirklich, als würde eine Horde Handwerker ein altes Haus in Schuss bringen", erklärt sie durchaus selbstironisch. So entspannt werden aber sicher nicht alle den Großeinsatz im OP sehen, den RTL in dem vierteiligen "Exclusiv Spezial: Aus alt mach neu - Brigitte Nielsen in der Promi-Beauty-Klinik" (ab 6. Juli, sonntags, 19.05 Uhr) dokumentiert.

"Ich mache eine Rundumerneuerung, eine Grundrenovierung. Facelift, Augenlift, Fettunterspritzung im Gesicht mit Eigenfett, Fettabsaugung, Bruststraffung, und ich brauche neue Zähne", fasst das ehemalige Versace- und Armani-Model die Eingriffe zusammen, die vom RTL-Team für das Publikum festgehalten werden.

Auf den ersten Blick gibt es hierbei nur Gewinner: Brigitte Nielsen, die sich wie 30 fühlt und wieder so aussehen möchte, kann - sofern bei der Kernsanierung alles gut verläuft - im Dezember auf dem "Playboy"-Cover glänzen. RTL dürfte die vollbusige Blondine selbst im narkotisierten Zustand Traumquoten verschaffen. Und auch für die deutschen Ärzte, die laut Nielsen Weltruf genießen, wird noch einmal die Werbetrommel gerührt.

Nebenbei bekommt auch noch das ach so verlogene Showbusiness eins auf dem Deckel: "Die Heimlichtuerei in Hollywood nervt", sagt die zu Restaurierende. "Man sieht doch, dass die Stars nicht natürlich altern. Es ist nicht in Ordnung, dass die Fans, die normalen Frauen, angelogen werden." Bei ihrem öffentlichen Tabubruch vergisst die Nielsen jedoch, welches fragwürdige Vorbild sie abgibt - vor allem für junge Menschen, denen hier in drastischer Form mal wieder der Kult vom perfekten Körper propagiert wird. Überdies strahlt RTL die Schnippel-Orgie fürs Ego auch noch zur besten Sendezeit aus.

In der Vergangenheit sorgten unter anderem die Vorher-Nachher-Show "The Swan" (ProSieben), bei der "hässliche Entlein" einmal von oben nach unten schön operiert wurden, und die MTV-Produktion "I Want a Famous Face", in der junge Menschen mit dem Skalpell das Antlitz ihres Lieblings-Stars verpasst bekamen, für Wirbel. 2004 wurde auf Initiative der Bundesärztekammer gar die "Koalition gegen den Schönheitswahn" gegründet, die derlei Formate anprangerte und für eine verantwortungsbewusstere Darstellung der sogenannten schönheitschirurgischen Eingriffe in Medien und Öffentlichkeit plädierte.

Im Fall Nielsen hat sich nun schon die Politik eingeschaltet, die durch den Auftritt der forschen Skandalnudel und ihren gewagten Renovierungs-Vergleich eine Bagatellisierung der Operationen befürchtet und einen verantwortungsvolleren Umgang mit dem menschlichen Körper fordert. Eine Diskussion wollte die Dänin auslösen, die fast schon stolz verkündet, dass sie die erste Promi-Frau weltweit ist, "die sich so tabulos im Operationssaal filmen lässt". Für Gesprächsstoff sorgt sie jetzt schon. Was nicht passt, wird passend gemacht: Diese Message ist ebenso einladend wie gefährlich Autor: Ute Nardenbach/teleschau - der mediendienst
Bilder: MTV RTL

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