teleschau: Die Pressemitteilung zu Ihrem Reisebericht wirft eine zentrale Frage auf: Was haben Krokodile in chinesischen Restaurants verloren?
Marietta Slomka: Ich war in einem kantonesischen R

estaurant eingeladen, das eine lebende Speisekarte hat. Ein Großteil dessen, was man dort essen kann, lebt noch, weil das in China ein Zeichen von Frische und Qualität ist.
teleschau: Wie kann man sich das vorstellen?
Marietta Slomka: Das war ein großer, durchaus eleganter Raum, der ein bisschen wie ein Aquarium oder eine Zoohandlung aussah. Man geht quasi durch die Speisekarte hindurch und sucht sich aus, was man essen möchte.
teleschau: Wie eben Krokodil?
Marietta Slomka: Die Chinesen machen selbst Witze darüber, dass die Kanton-Chinesen "alles essen, was sich bewegt und mindestens zwei Beine hat" - in anderen Teilen Chinas ist das nicht üblich. Aus der Kanton-Küche kennt man auch das Hunde-Essen, in Peking hingegen werden Hunde gehätschelt.
teleschau: Wa

s aßen Sie an diesem Abend?
Marietta Slomka: Gemüse und Fisch - kein Krokodil.
teleschau: Können Sie Peking kurz beschreiben?
Marietta Slomka: Es sieht aus wie ein Mischmasch aller internationaler Metropolen. Man könnte in Moskau sein, in Neu-Delhi oder in New York - weil alles Alte, Chinesische zum großen Teil schon regelrecht plattgemacht wurde, außer historische Bauten, wie die Verbotene Stadt und einige alte Gassenviertel, die so genannten Hutongs. Ansonsten gibt es fast nur noch Hochhäuser, vom hässlichen Plattenbau bis zum schicken, designten Glaskasten. Um das Alte zu finden, muss man richtig in die Stadt eintauchen. Mittlerweile fangen die Chinesen an zu grübeln, ob sie da keinen Fehler machen.
teleschau: Brachten Sie Ihren Kollegen, die sie während der Reis

e vertreten haben, Souvenirs mit?
Marietta Slomka: Ja, diverse. Zum Beispiel eine Ausgabe des chinesischen "Spiegel". Das Magazin sieht exakt so aus wie ein deutscher "Spiegel", nur mit chinesischen Schriftzeichen. Ich habe meinen Augen nicht getraut, als ich das sah. Und ich kaufte Drachen vom besten Drachenbauer Chinas, mit dem wir auch drehten. Das ist ein junger Mann, der das Familienunternehmen übernahm. Schon sein Urgroßvater baute Drachen für den Kaiser. Einer seiner Drachen hängt nun bei uns in der Redaktion im Konferenzraum, eine Eule.
teleschau: Mit welchen Gefühlen reisten Sie nach China?
Marietta Slomka: Ich hatte gemischte Gefühle: Ich war neugierig, aber nach den ganzen Vorgängen der letzten Zeit auch skeptisch
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