"kiss and run" - Ein paar Leute suchen das Glück ...

(tsch) Ein Film, der glücklich macht. 90 Minuten lang beobachtet der Zuschauer einen Haufen klassischer Versager, und am Ende fühlt er sich trotzdem fröhlich und beschwingt. Regisseurin Annette Ernst hat 2002 mit der Komödie "kiss and run" (Grimme-Preis 2005) ein wahres Prachtstück deutschen Kinos geschaffen, das nun vom ZDF in der "kleinen Fernsehspiel"-Reihe "ausgezeichnet fernsehen" wiederholt wird.

In einer schäbigen, dunklen Videothek treffen sich junge Menschen auf der Suche nach Liebe, Erfolg und Sex. So träumt Emma (Maggie Peren) vom Durchbruch als Schauspielerin, während ihr bester Freund Max (Ken Duken, "Störtebeker", "Krieg und Frieden"), bereits reichlich desillusioniert und zugleich ein Meister des Extrem-Philosophierens über Pornofilme ist.

Die Videothek als Auffangbecken gescheiterter, unglücklicher oder einfach nur gelangweilter Menschen in einer Frankfurter Hochhaussiedlung. Drehbuchautorin Maggie Peren, die auch die Hauptrolle spielt, hat liebenswerte Charaktere erschaffen, die zweifelsohne äußerst skurril sind. Die Dialoge und vor allem Monologe von Pornoexperte und Pillentester Max bewegen sich weit entfernt von Plattitüden, sind wirklich witzig und manchmal nachdenklich.

"Der Eiffelturm ist ein riesiger Minderwertigkeitskomplex!" Aus einem scheinbar schier unerschöpflichen Fundus unnützen Wissens kann sich Max in jeder Situation bedienen, nur um sich durch sein Dauergerede niemals auf eine emotionale Basis begeben zu müssen. Außerdem bereitet es ihm einen Heidenspaß, die sowieso schon wenigen Kunden der Videothek zu vergraulen. Emma ist dadurch oft genervt, und trotzdem fühlt sie sich eigentlich nur richtig glücklich, wenn Max in ihrer Nähe ist. Daneben gibt es noch das Paar Malia (Anja Herden) und Christo (Hinnerk Schönemann). Sie heiraten in zwei Wochen, doch es herrscht Stillstand auf allen Ebenen: keine Kommunikation, kein Sex. Auch die anderen Personen in "kiss and run" schleppen ihre Problemchen, wie beispielsweise das nicht enden wollende Jungfrauentum, mit sich herum. Das tun sie aber alle auf eine extrem liebenswerte und witzige Weise.

Vor Kulissen, die die frustrierte, eintönige und doch von Freundschaft und Rückhalt geprägte Atmosphäre nicht besser hätten illustrieren können, und mit Einspielern der teils ziemlich kranken Visionen der Charaktere (Max hat Suizidfantasien, Malia erscheint ihr Zukünftiger als Greis) wird die alte Geschichte von "1.000 Mal berührt" auf äußerst amüsante und zugleich anrührende Weise umgesetzt.

Multitalent Maggie Peren führte bei der Call-Boy-Komödie "Stellungswechsel" (2007), die rund 350.000 Kinobesucher sahen, zum zweiten Mal Regie. Bei dem Jugendfilm "Freche Mädchen", der gerade angelaufen ist, fungierte die inzwischen 34-Jährige allerdings wieder nur als Drehbuchautorin.
Ausstrahlung am 21.07.2008 um 00:15 Uhr auf ZDF Autor: Franziska Kramer/teleschau - der mediendienst
Bilder: ZDF / Jaqueline Krause-Burberg

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