Jamie Oliver: Der Held vom Herd

(tsch) Lange galt Großbritannien als kulinarisches Ödland. Doch dann kam Jamie Oliver und eroberte mit dem Kochlöffel und einer großzügigen Prise Charme die Bildschirme. Der Jungspund aus Essex war so ganz anders als die gediegenen TV-Köche dieser Welt: quirlig, lockerleicht wie ein Soufflé und so herrlich unkompliziert wie Spaghetti Napoli. Der sympathische Ofen-Punk und Hobby-Schlagzeuger mit der wirren Frisur und dem losen Mundwerk revolutionierte Anfang des Jahrtausends die Kochshow. Dass die Fernseher mittlerweile vor fleißigen Töpfeklapperern überkochen, ist wohl auch dem smarten Briten zu verdanken. Es sei ihm verziehen. Denn Jamie ist ein Mann mit einer Mission, kämpfte bereits für junge Arbeitslose und besseres Essen in Schulkantinen. Nun schlägt dem 33-jährigen Familienvater "Jamies Hühnerhölle" (Montag, 14.07., 21.15 Uhr, RTL II) auf den Magen.

"Ich wollt, ich wär' kein Huhn!" - Das ist der traurige Tenor der einstündigen Sendung. Jamie Oliver hat englische Bauern, namhafte Biologen und Journalisten zum "Gala-Dinner" geladen. Und er kocht vor Wut. Schonungslos klärt er seine Gäste und den Zuschauer über die schreckliche Realität der britischen Massentierhaltung auf. Der Appetit ist allen danach gründlich vergangen.

"Die Lebensmittel sind meine Inspiration", sagt Jamie Oliver. "Ich möchte, dass die Menschen eine Leidenschaft für ihre Nahrung entwickeln und Freude am Kochen haben." Doch schon lange steht er nicht mehr nur am Herd. Immer wieder macht der Öko von der Insel, der 2003 zum MBE (Member of the Order of the British Empire) ernannt wurde, durch seine engagierten Projekte auf sich aufmerksam. In "Jamie's Kitchen" (2002) nahm er sich jugendlicher Arbeitsloser an, zeigte ihnen seine raffinierte Art zu kochen und baute gemeinsam mit den Lehrlingen das Restaurant "Fifteen" im Londoner East End auf. Mittlerweile sind zahlreiche dieser Gourmet-Tempel in Amsterdam, Cornwall oder Melbourne hinzugekommen. "Die 'Fifteen Stiftung' soll benachteiligte junge Leute - Obdachlose, Arbeitslose, Menschen, die gegen ihre Drogensucht ankämpfen - inspirieren", erklärt der Starkoch. "Sie sollen daran glauben, dass sie sich selbst eine große Karriere in der Gastronomie aufbauen können."

Jamie selbst wurde sozusagen in die Küche hineingeboren. Seine Eltern betrieben ein Pub in Essex. "Mich hat alles fasziniert, was in der Küche passierte", erinnert er sich. "Es war einfach ein cooler Ort." Auch wenn die meisten Jungs Kochen eher für "Mädchen-Kram" hielten, konnte er als Elfjähriger bereits "Zerhacken wie der Teufel". Da er in der Schule eher bescheidene Ergebnisse erzielte, stand Jamies Berufswunsch mit 16 Jahren bereits fest. Er ging aufs "Westminster Catering College", bildete sich in Frankreich weiter und arbeitete jahrelang unter renommierten Londoner Chefköchen.

Dann, ganz plötzlich und vom Zufall begünstigt, wurde er vom Fernsehen entdeckt. Die berühmte Geschichte vom Tellerwäscher zum Millionär nahm ihren Lauf. Oliver arbeitete im "River Café", als man eine Doku über das Restaurant drehte. "Die Filmemacher zeigten viel von diesem schnoddrigen Jungen, der das Kochen so sehr liebte und der Crew freche Antworten gab." Am Tag nach der Ausstrahlung riefen fünf Produktionsfirmen an, die mit dem Küchen-Clown eine Show machen wollten. "Ich dachte, es wären meine Kumpels, die mich verarschen."

Nach "Oliver's Twist" ("The Naked Chef"), "Jamie's Kitchen", "Jamie's School Dinners", "Jamie's Great Italian Escape", "Jamie's Chef", "Jamie at Home" und zahlreichen DVDs und Büchern wird das Vermögen des "nackten Küchenmeisters", der trotz des verwirrenden Spitznamens (gemeint ist die Einfachheit der Zutaten und der Zubereitung der Rezepte) bislang nur für seine Frau im Adamskostüm brutzelte, auf etwa 25 Millionen Pfund geschätzt

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