Dunja Hayali: Keine Zeit für Schubladen

(tsch) "Können Sie eine Sekunde dranbleiben?", bittet Dunja Hayali, und gleich darauf hört man sie lauthals nach "Emma" rufen. Emma ist ihre heißgeliebte Golden-Retriever-Hündin, die bei dem Spaziergang mit der ZDF-Moderatorin gerade irgendetwas tut, was sie eigentlich nicht tun sollte. Doch es kann nichts Schlimmes gewesen sein, denn gleich darauf setzt Dunja Hayali das Gespräch gut gelaunt fort. Seit April 2007 moderiert sie am Nachmittag die "heute"-Nachrichten und unterstützt Steffen Seibert abends im "heute-journal". Zudem verstärkt die Wahl-Berlinerin seit Oktober das Team des "ZDF-Morgenmagazin" (werktags, 05.30 Uhr). Ein Einstieg, über den sie manchmal noch den Kopf schüttelt: "Es ist total unrealistisch, wie schnell das alles ging."

Dass sie Journalistin werden wollte, war Dunja Hayali schon mit 13 klar. Sportreporterin, um genau zu sein. Dementsprechend zielgerichtet liest sich ihr Lebenslauf: Nach dem Abitur studierte die in Datteln bei Recklinghausen geborene Moderatorin Medien- und Kommunikationswissenschaften an der Deutschen Sporthochschule in Köln und absolvierte nebenbei einige Praktika bei Radio- und Fernsehsendern. Als das Deutsche Welle Radio sie 1998 als Sportmoderatorin engagierte, hatte sie ihr Ziel eigentlich erreicht. Doch getreu dem Motto "Stillstand ist der Tod" fing sie 2006 bei "Journal", der Nachrichtensendung von Deutsche Welle TV in Berlin an. Und dann kam der Anruf aus Mainz.

Nachdem ihr Wechsel bekannt wurde, konzentrierten sich die Artikel über das neue Gesicht des ZDF jedoch weniger auf ihre journalistische Laufbahn, sondern mehr auf die Herkunft ihrer Eltern. Denn diese stammen aus dem Irak. "Mir war klar, dass darüber viel gesprochen werden wird", erinnert sich Dunja Hayali. "Es gab eine Phase, in der ich davon ein bisschen genervt war. Ich verstehe, dass ich nach meinen Wurzeln gefragt werde, ich würde es wohl sicher auch tun - aber ich will nicht auf meine Herkunft reduziert werden. Ich würde niemals im 'heute-journal' sitzen, wenn ich keine journalistischen Qualitäten und Fähigkeiten mitgebracht hätte. Ich glaube aber, dass die Leute das mittlerweile begriffen haben."

Als Vorreiterin einer offeneren Medienlandschaft sieht sich Dunja Hayali jedoch nicht wirklich: "Ich mache meinen Job, und ich hoffe, dass ich ihn gut mache. Punkt. Wenn man mich in dieses Bild hineinschieben möchte, fülle ich es aber gern aus. Egal, was das bedeutet." Schubladendenken ist ihr jedenfalls verhasst: "Es gibt genügend Deutsche, die mindestens genauso stur sind, wie man es Arabern nachsagt. Oder die genauso unpünktlich sind wie ich. Und die arabische Gastfreundschaft ist mir auch in Deutschland schon oft begegnet."

Eine Frage drängt sich aber noch auf: Bietet sich bei einer Journalistin, die Arabisch spricht, nicht ein Posten als Nah-Ost-Korrespondentin an: "Zum einen ist mein Arabisch dafür viel zu schlecht, außerdem bin ich ein arabischer Analphabet", erklärt Dunja Hayali charmant. "Zudem habe ich im Moment genau den Job, den ich immer haben wollte."

Oder besser gesagt, die drei Jobs, die sie immer haben wollte. Kann man eigentlich nach der Arbeit noch relaxen, wenn man so viele Sendungen unter einen Hut bringen muss? "Es ist, wie Jogi Löw vor Kurzem erklärte: Nach einem Spiel kann man nicht sofort abschalten

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