"Die blaue Grenze" - Hilfe aus dem Jenseits

(tsch) Till Franzen ist ein junger Regisseur aus Flensburg an der Grenze zu Dänemark. Nach etlichen Kurzfilmen, die er seit seinem 16. Lebensjahr dreht, brachte er 2005 ein etwas seltsames Produkt in die Kinos: "Die blaue Grenze". Der Film, nun zu sehen im Rahmen der ARD-Reihe "Debüt im Ersten", porträtiert nicht nur das Leben an der Land- und Seegrenze zwischen Deutschland und Dänemark, sondern vor allem jene "Blaue Grenze", die den Übergang zwischen Diesseits und Jenseits beschreibt. Das ist mitnichten zu entrückt für eine Welt, die eine Renaissance der Esoterik erlebt, aber vielleicht etwas zu sinnlich ...

Es ist ein Film über die Liebe, still und langsam erzählt. Die Geschichte ist um den lethargischen Momme (Antoine Monot Jr.) konstruiert, dessen Vater gerade gestorben ist und dem nun die Aufgabe zuteil wird, seinen Großvater von diesem Schicksalsschlag zu unterrichten. Der Verstorbene indes lag zu Lebzeiten mit seinem Vater im Streit; nun gilt es, die Vergangenheit wieder in Ordnung zu bringen. Das kann nur geschehen, wenn die Lebenden Liebe, Erfüllung und Vergebung erfahren. Für Momme bedeutet das eine sinnliche, herzergreifende Romanze in Dänemark, die ihn nicht wieder loslassen will, obwohl seine Lene (Beate Bille) als Grenzgängerin aufs Abschiednehmen abonniert ist.

Die Welt in Till Franzens Nord-Vision ist eine der einsamen Menschen. Sie können oder wollen nichts mit anderen zu schaffen haben. Die meisten aber leiden darunter und verhärmen dadurch zusehends. Doch über die blaue Barriere scheint aus dem Jenseits Hilfe zu kommen: Welche Bekanntschaft, welche Beziehung aber nun von reumütigen, erkenntnisreichen Verstorbenen gestiftet wird, verliert sich im blauen Dunst der magischen Bilder, die Franzen zu einem seltsamen Cocktail aus Liebesgeschichte, Gesellschaftsdrama und Komödie zusammenrührt, als wäre es ein Hagebuttentee in einer friesischen Kneipe.

Die einsamste Gestalt ist Dominique Horwitz in der Rolle des Kommissars Poulsen, der beruflich wie privat auf der Verliererautobahn unterwegs ist - bis er der schier unbegreiflichen Nachbarin Frau Marx (Hanna Schygulla) begegnet, die ihn in den magischen Realismus einführt. Eine Welt, in der klar wird, wie sinnlich der Übersinn sein kann. Nicht zuletzt durch sie ist "Die blaue Grenze" so erfrischend wie der Wind im Bundesland zwischen Nord- und Ostsee - und verliert sich gern Hals über Kopf in purer filmischer Magie. Till Franzen bereitet derzeit sein nächstes Langfilm-Projekt vor. "Modelle" soll allerdings erst im nächsten Jahr gedreht werden.
Ausstrahlung am 21.07.2008 um 22:45 Uhr auf ARD Autor: Vera Seeberg/teleschau - der mediendienst
Bilder: NDR / discofilm

Zur Bilder-Galerie


Weiterführende Links


Tageshoroskop bei Yahoo!
 
Lifestyle RSS Feed
Lifestyle auf mein Yahoo!
Die häufigsten Fragen zu RSS 
 
 
Copyright © 2008 Yahoo! Alle Rechte vorbehalten
Wir über uns - Hilfe - Jobs@Yahoo! - Yahoo! Services - Datenschutz - AGB