Bitte nicht lächeln: Die kalifornische Klasse-Songwriterin zeigt sich auf ihrem neuen Album "@#%&! Smilers" in gewohnt starker Form

(tsch) Sie ist nicht miesepetrig, sondern fokussiert. Da der Unterschied zwischen diesen beiden Zuständen - oberflächlich betrachtet - manchmal nur ein schwer zu erkennen ist, beschreiben manche Menschen die Hobby-Boxerin Aimee Mann als unterkühlt bis mürrisch, ihre bissigen Großstadtfabeln aus L.A. bisweilen als deprimierend. Bekannt wurde die Ehefrau von Sean Penns ebenfalls musizierendem Bruder Michael durch die großartigen Songs, die sie 1999 zum Paul Thomas Anderson-Film "Magnolia" beisteuerte. Mit dem kryptisch betitelten "@#%&! Smilers" veröffentlicht Aimee Man nun ein neues Album. Wieder einmal ist es voll mit außergewöhnlichen Geschichten, verpackt in butterweiche Westküstenmusik.

teleschau: "@#%&! Smilers" ist ein ziemlich merkwürdiger Titel für ein Album. Was hat er zu bedeuten?

Aimee Mann: Die Zeichenfolge vor dem Wort "Smilers" ist einfach ein Platzhalter für einen beliebigen Fluch. Den Begriff fand ich in einer Internet-Newsgroup namens "Alt.Bitter". Ein Freund und ich, wir lasen das regelmäßig und fanden es ziemlich witzig: Eine ganze Newsgroup für verbitterte Leute! Einer der Threads trug den Titel "@#%&! Smilers". Dort wurde darüber diskutiert, wie ätzend es ist, wenn dich Leute auf der Straße zum Lächeln bringen wollen. Leute, die sagen: Lächle doch mal, es kann doch nicht so schlimm sein!

teleschau: Fühlen Sie Sich in Ihren Liedern diesen verbitterten Leuten verbunden?

Aimee Mann: Manchmal kritisieren die Leute meine Arbeit, indem sie sagen: Warum schreibst du nicht mal fröhliche Songs? Warum sind deine Sachen immer so deprimierend? Also - zunächst mal: Ich finde meine Lieder gar nicht deprimierend. Ich bin nicht deprimiert, wenn ich sie schreibe, und sie lösen diese Stimmung auch nicht bei mir aus. Ich schreibe einfach über Menschen, die ich interessant finde. Natürlich haben sie manchmal Konflikte auszutragen, aber das macht die Geschichten auch interessant. Es gibt Traurigkeit in meinen Liedern, aber ist das deprimierend? Ich finde, dass fröhliche Songs oft weniger interessant sind. Ohne Konflikt kein Drama. Und wenn das Drama fehlt, was bleibt dann noch? Nur noch eine vage Stimmung ...

teleschau: Sie leben in Los Angeles, Kalifornien - der Welthauptstadt des Lächelns und der guten Laune. Gibt es dort besonders viele "Smilers"?

Aimee Mann: Ich treffe solche Leute gar nicht so oft in Kalifornien. Eher an der Ostküste. Vor allem als Kind hat man es ständig mit Menschen zu tun, die einen immerzu zum Lächeln bewegen wollen. Menschen, die denken, dass Kinder die ganze Zeit zu lächeln haben. Außerdem sagen es Männer oft zu Frauen, weil sie wollen, dass die Frauen mit ihnen lächeln. Aber das ist doch krank! Und in Kalifornien? Nein. Vielleicht lächeln die Leute da ohnehin so viel, dass sie die Nase voll davon haben.

teleschau: Lassen Sie uns über einige Lieder des Albums sprechen. Auf dem ersten Stück "Freeway" gibt es die schöne Refrainzeile "You've got a lot of money, but you can't afford the freeway". Ist man glücklicher, wenn man wenig besitzt?

Aimee Mann: Das Lied handelt von einem Freund, auf dessen Charakter auch viele Songs meines letzten Albums "Forgotten Arm" beruhen. Dieser Freund hat seit Langem ein Drogenproblem, und irgendwann zog er nach Los Angeles

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