teleschau: Wie wichtig ist dabei der Aspekt, dass eine solche Geschichte in einem anderen Land als Deutschland spielt?
Heike Hempel: Ich glaube schon, dass man auch schöne Geschichten in Deutschland erzählen kann. "Die wunderbare Familie" zeigt das. Die verschiedenen Orte aber sind Sehnsuchts- und Projektionsflächen. Das soll sich vertraut, irgendwie auch deutsch anfühlen, nur ein bisschen glänzender, eleganter, schöner und ein bisschen blumenreicher (lacht). Deshalb war "Inga Lindström" - ausgehend von der "Pilcher"-Reihe - eine logische Konsequenz, den Sonntagabend mit einer neuen Programm-Marke so fortzuschreiben. Zu Schweden haben wir Deutsche eine emotionale Nähe.
teleschau: Haben wir?
Heike Hempel: Ja! Von "Schloss Gripsholm" bis Astrid Lindgren! "Wir Kinder aus Bullerbü", "Pippi Langstrumpf", "Michel aus Lönneberga" ... das sind Geschichten, die ich meiner Tochter hundertmal vorlese, und die auch ich tausendfach gehört habe. Das setzt sich in der Kindheit fest und wird später immer noch als Sehnsuchtsort begriffen. Und natürlich ABBA!
teleschau: Das heißt, die Geschichten würden auch nicht im x-beliebigen Ausland funktionieren? In exotischeren Ländern vielleicht noch weniger?
Heike Hempel: Die Formel "je weiter weg, desto beliebter" funktioniert nicht. Es geht mehr um Projektionsflächen, und das ist immer eine Verbindung zwischen Sehnsucht, Träumen, aber auch Vertrautheit! Die Mischung ist ganz entscheidend. "Inga Lindström" ist da, wie ich meine, eine geniale Erfindung.
teleschau: Beliebig fortführbar ist so ein Konzept also nicht ...
Heike Hempel: Nein. Wir denken in diese Richtung, aber es sieht einfach aus und ist schwer herzustellen. Da muss man experimentieren. Es gibt ein breites Spektrum, das wir in den nächsten Jahren testen werden.
teleschau: Andere experimentieren auch in die Richtung, das Erste rief zum Beispiel eine Reihe mit dem verwirrend ähnlichen Titel "Lilly Schönauer" ins Leben ...
Heike Hempel: Das stört nicht (lacht). Es ist ein anderer Sendeplatz, und das Format hat doch eine andere Tonalität. Das ZDF ist Vorreiter und hat den erfolgreichsten Melodram-Platz. Allerdings: Je mehr in so einem Feld gemacht wird, umso schneller gibt es Ermüdungserscheinungen, sowohl beim Zuschauer als auch bei den Machern. Es gibt bestimmte Grundplots, die man variieren kann, aber irgendwann ist man da auch am Ende. Im Krimi kann man allein die Genre-Schraube ganz anders andrehen und sehr viel stärker politische, sozialkritische Themen erzählen
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