Wo Sie recht haben ist, dass die Abgründe und die Komplexität der Gefühle eingefangen werden in einer großen Wärme und Menschlichkeit. Das ist aber ein Bedürfnis, das der Zuschauer in Zeiten vom ungelösten Nahost-Konflikt bis hin zur Bankenkrise hat! Das hat aber mit Unterkomplexität nichts zu tun. Der Zuschauer ist extrem intelligent und sensibel!
teleschau: Kann man ihm dann nicht hin und wieder auch mal mehr zutrauen?
Heike Hempel: Absolut. Umgekehrt: Der Zuschauer fordert das sogar ein! Meine Schwiegermutter beispielsweise - Mitte 60 und damit unser Publikum - sagte neulich auch zu mir: "Könnt Ihr da nicht mal was anderes machen?"
teleschau: Was würde Ihre Schwiegermutter denn gerne sehen?
Heike Hempel: Diese Generation war 1968 20 bis 30 Jahre alt. So muss selbst das Argument "Wir machen Fernsehen für die Älteren" neu überdacht werden. Wer fühlt sich heutzutage alt? Wie wir wissen, definiert sich das mittlerweile vollständig anders. Auf der einen Seite gibt es ein größeres Verständnis in Sachen Weltoffenheit, in Sachen Europa - man ist schon überall hingereist. Gleichzeitig haben sich das Unterhaltungsbedürfnis und der qualitative Standard extrem verändert, auch durch US-amerikanische Serien im übrigen. Ich glaube, dass wir da auch am Sonntag ein, zwei behutsame Schritte nach vorne gehen, mal ein anderes Erzählmuster nutzen und etwas mutiger mit den Inhalten sein müssen.
teleschau: Wie könnten diese Schritte aussehen?
Heike Hempel: Die Herausforderung und die Frage der Zukunft wird natürlich sein: Wie kann man bei einem romantischen Sonntagsversprechen eine bestimmte Heutigkeit und Modernität einlösen? Uns berührt als Zuschauer ja nur das, was wir mit unseren eigenen Gefühlen und Erlebnissen in Verbindung bringen können. Wie sieht ein "Inga Lindström" vergleichbares Format von 2015 aus? Hier geht es natürlich auch darum, Talente vor und hinter der Kamera aufzubauen, um einen neuen kreativen Input zu haben.
teleschau: Gibt es auf diese Fragen schon Antworten?
Heike Hempel: Als Vorstoß in diese Richtung gilt zum Beispiel "Die wunderbare Familie" mit dem ersten ZDF-Telenovela-Traumpaar Tanja Wedhorn und Patrik Fichte. Das werden wir als Reihe am Sonntag fortsetzen. Und gerade wird in mehrere Richtungen recherchiert, sowohl eigene Konzepte als auch Literaturverfilmungen: von Joanna Trollope oder Emily Richards. Ich glaube, dass wir im Genre Melodram weitererzählen sollten, aber dass man auch darin für vertiefte Figuren und überraschende Momente sorgen kann
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