Ein romantisches Versprechen: Ein Gespräch mit Heike Hempel zum Jubiläum von "Inga Lindström" (So., 19.10., 20.15 Uhr)
(tsch) Gäbe es ohne Astrid Lindgren vielleicht keine Inga Lindström? Die Indizien häufen sich. Autorin Christiane Sadlo inspirierten bei der Wahl ihres schwedischen Pseudonyms "Die Kinder aus Bullerbü". Auch der Titel der 25. Ausgabe ihrer romantischen ZDF-Reihe, "Inga Lindström: Rasmus und Johanna" (So., 19.10., 20.15 Uhr), erinnert an die Kinderbuch-Klassiker. Heike Hempel kann im Interview noch einen weiteren Bezug herstellen. Seit Anfang des Jahres leitet sie die Hauptredaktion Unterhaltung-Wort auf dem Mainzer Lerchenberg. Anlässlich des Jubiläums von "Inga Lindström", die seit 2004 mit Traumwelten für Traumquoten sorgt, spricht die 43-Jährige über das Format, von dem die Bavaria (Produzent: Ronald Mühlfellner, Bavaria - Redaktion: Alexander Ollig, ZDF) jährlich vier bis fünf Filme dreht. Heike Hempel leitete jahrelang die Redaktion "Das kleine Fernsehspiel" und gilt im ZDF als innovative Programmgestalterin. "Weg vom Immergleichen", ist ihre Devise. Das gilt auch für die Zukunft des ZDF-Sonntagsfilms.
teleschau: Frau Hempel, welche Ansprüche hat ein Sonntagsfilm im ZDF zu erfüllen?
Heike Hempel: Sonntag, 20:15 Uhr im ZDF: Das ist die Zeit der großen Gefühle und der schönen Landschaften. Es i

st eine romantische Verabredung, die der Zuschauer mit dem ZDF am Sonntagabend hat. Natürlich auch im Hinblick auf das Gegenprogramm ...
teleschau: ... ein meist anspruchsvollerer Krimi im Ersten, Hollywoodfilme bei den Privatsendern.
Heike Hempel: Der ZDF-Sonntagsfilm ist ein Versprechen und kein geringes: Das Versprechen, an einem ziemlich neuralgischen Punkt in der Woche - das schöne Wochenende geht zu Ende, der harte Alltag naht - noch einmal aufzubrechen zu können zu einer Sehnsuchtsreise. Wir versprechen Gefühle und Entspannung - hochwertige produzierte fiktionale Unterhaltung für ein Millionenpublikum. Jede Woche.
teleschau: Begriffe wie Gefühlsfernsehen und Sehnsuchtsreisen genießen nicht gerade das beste Image ...

>Heike Hempel: Es wird oft abgewertet als "süßlich" oder "einfältig" bezeichnet, das sehe ich gar nicht so. Der Gefühlsbegriff ist so vielfältig wie das Leben selbst. In diesen Geschichten finden Sie alle möglichen Emotionen ausgedrückt - nicht nur Liebe und Treue, sondern auch Reue, Nostalgie, Neid, Missgunst, Rache. Die Höhen und Abgründe der menschlichen Gefühle auszuloten, das ist die größte Herausforderung überhaupt. Das hat, jetzt sage ich mal etwas Öffentlich-rechtliches, in bestem Sinne Public Value! Public Value wird ja häufig über die Informationssendungen definiert. Aber ich finde: Public Value manifestiert sich auch auf schwedischen Schären oder in Cornwall.
teleschau: Welchen Wert erfüllen die Schären am Sonntagabend?
Heike

Hempel: Letztendlich ist das auch eine Form der Meditation: ein schöner Film in schönen Ländern mit schönen Menschen. Die Hirnforschung sagt uns, dass gerade dann, im Hintergrund, bestimmte Bereiche unseres Gehirns besonders aktiv sind. Und die Zuschauer, aus einem Wohlgefühl heraus, auch inspirieren können. Das Abschalten mit "Rosamunde Pilcher" oder "Inga Lindström" kann womöglich helfen, anschließend schneller zu schalten.
teleschau: Der Inhalt ist die eine Sache, die Art der Darstellung eine andere. Wird es dem Zuschauer nicht manchmal allzu leicht gemacht, das große Gefühl in den Geschichten nachzuvollziehen?
Heike Hempel: Wenn Sie zum Beispiel "Pilcher" oder "Lindström" nehmen: Das ist in sich jeweils ein komplexes Melodram. Viele, die versucht haben, das nachzumachen, sind gescheitert, weil sie zu unterkomplex erzählt haben
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