"Clipped Pronunciation" sagt man dazu. Bei McCain gibt es keine Auffälligkeiten, er hat auch keinen sehr ausgeprägten regionalen Dialekt. Das wäre für uns Dolmetscher immer eine Angstpartie. Als Nicht-Deutscher hätte man schließlich auch seine Schwierigkeiten, einen Schwaben zu übersetzen.
teleschau: Dürfen Sie offiziell überhaupt eine Meinung zu den Menschen haben, die Sie übersetzen?
Hamdorf: Die darf man haben, aber im Endergebnis darf diese nicht zu spüren sein. Wenn man so will, ist Dolmetscher der opportunistischste Beruf, den man sich denken kann - wir reden anderen Leuten nach dem Maul. Doch bisher empfand ich das nicht als Problem. Natürlich gibt es den einen oder anderen, bei dem es sich einem innerlich umdreht. Aber durch sachgerechte Wiedergabe lässt man dem Zuhörer die Chance, seine eigene Sympathie oder Antipathie zu entwickeln. Wir verbreitern nur die Darstellungsfläche, der Mensch bleibt derselbe.
teleschau: Nehmen Sie persönlich an diesem Wahlkampf anders Anteil als an den vorangegangenen?
Hamdorf: Unbedingt. Ich verfolgte die amerikanische Politik schon immer mit Interesse, aber in der europäischen Berichterstattung liegt der Fokus sehr auf dem Präsidenten. Jetzt war ich gezwungen, mich viel mehr mit amerikanischer Innenpolitik, mit Repräsentantenhaus, Senat und der Politik der Einzelstaaten zu befassen und fing Feuer. Es ist sehr spannend zu sehen, wie Politik auf der anderen Seite des großen Teiches gemacht wird.
teleschau: Schauten Sie sich auch das zweite Duell an, in dem Sie nicht übersetzen mussten?
Hamdorf: Ja, und auch das der Vize-Kandidaten. Es war sehr interessant, Sarah Palins Auftritt zu verfolgen. Sie soll sich laut Medienecho recht gut behauptet haben, ganz im Gegensatz zu vorherigen Gelegenheiten. Und ich habe mir um die 30 Begriffe notiert und für meine Wortliste recherchiert.
teleschau: Wenn Sie Amerikaner wären, wen würden Sie wählen?
Hamdorf: Das kann ich als Privatmann durchaus verraten: Ich stünde aufseiten der Demokraten. Es wäre wohl ein Aufbruch in neue Zeiten, wenn ein junger Schwarzer Präsident werden würde.
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Autor: Annekatrin Liebisch/teleschau - der mediendienst
Bilder:
Niels Hamdorf
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