So gibt es beispielsweise in Arizona, McCains Heimat, eine Lobby, die hofft, dass er als Präsident speziell den Bewohnern Arizonas etwas Gutes tut. Das ist "Pork Barrel Politics".

teleschau: Ist der Dolmetscher bei Veranstaltungen wie dem Kandidatenduell komplett auf sein Gehör angewiesen oder gibt es eine Art Leitfaden?

Hamdorf: Nein, den gibt es nicht. Den würden sich die Moderatoren eines solchen Duells nie entlocken lassen. Die Gefahr wäre zu groß, dass eine Seite an die Informationen gelangt und sich gezielt vorbereiten kann. Deshalb müssen wir Übersetzer auch darauf gefasst sein, dass alle möglichen Themen zur Sprache kommen können. Die erste Debatte sollte hauptsächlich auf Außen- und Sicherheitspolitik angelegt sein, aber angesichts der Finanzkrise wurde alles ganz anders.

teleschau: Aufgrund der Finanzkrise hätte McCain das erste Duell um ein Haar platzen lassen, erst in letzter Minute sagte er zu. Was ging Ihnen davor durch den Kopf?

Hamdorf: Wenn man nicht mitten in der Nacht aufstehen muss, ist das auch ganz schön. Und in dieser Branche bekommt man sein Honorar glücklicherweise auch, wenn die Veranstaltung ausfällt, schließlich plant man seine Engagements danach. Aber es wäre sehr schade gewesen, und ich spekulierte im stillen Kämmerlein, ob es sich McCain PR-mäßig leisten könne, die Bühne allein Obama zu überlassen. Ich kam zu dem Schluss, dass das unklug wäre. Und er anscheinend auch.

teleschau: Wenn Sie die Wahl gehabt hätten, Obama oder McCain zu dolmetschen, wen hätten Sie gewählt?

Hamdorf: Das kann ich aus professionellen Gründen nicht sagen. Aber angesichts der späten Stunde, in der die Duelle übertragen werden, bin ich froh, den Kandidaten erwischt zu haben, der etwas langsamer spricht ...

teleschau: Obama lässt sich demnach schwieriger übersetzen?

Hamdorf: Ich denke schon. Ich litt jedenfalls mit meinem Kollegen Elmar Bott, der das meiner Meinung nach sehr gut gemacht hat.

teleschau: Als Dolmetscher zittert man also auch, wenn man gar nicht an der Reihe ist?

Hamdorf: Unbedingt. Wir betrachten das Ganze als Teamleistung. Wenn ich merken würde, dass mein Kollege ins Schleudern gerät oder einen Begriff oder einen Namen nicht verstehen konnte, dann würde ich ihm den sofort aufschreiben und rüberschieben.

teleschau: Haben die beiden Kandidaten bestimmte Eigenheiten, die einem Dolmetscher besonders auffallen?

Hamdorf: Ja, Obama hat die Angewohnheit, Silben am Ende des Satzes zu verschlucken

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