"Sieh zu dass du Land gewinnst" - Erdbeeren, Freundschaft und Verzweiflung

(tsch) Es hätte kaum schlimmer kommen können für Nike: Mitten in ihrer Ausbildung auf dem Ausländeramt muss die 19-Jährige plötzlich noch den heimischen Bauernhof am Leben erhalten, nachdem ihr Vater wegen eines Herzinfarkts im Krankenhaus landete. Als ob das nicht schon genug Probleme wären, mit denen sich das zurückhaltende Mädchen herumschlagen muss, stellt sie auch noch entsetzt fest, dass fast alle Erntehelfer auf dem Hof illegale Einwanderer sind. Hauptdarstellerin Anna Maria Mühe glänzt in "Sieh zu dass du Land gewinnst", dem letzten Teil der "Gefühlsecht"-Reihe, in der Rolle des jungen Mädchens, das über sich hinaus wächst.

Sieben Jahre lang recherchierte Regisseurin Kerstin Ahlrich, um das die Lage illegaler Einwanderer, die bei der Ernte als billige Arbeitskräfte eingesetzt werden, authentisch wiedergeben zu können. Sie erzählt in ihrem Spielfilmdebüt eine Geschichte, die sich genau so hätte zutragen können. In Anna Maria Mühe ("Was nützt die Liebe in Gedanken"), die 2006 als beste Nachwuchsdarstellerin mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet wurde, fand die Regisseurin eine Schauspielerin, die den Zwiespalt des sich aufopfernden Mädchens sehr glaubwürdig rüberbringt.

Nike steht genau zwischen den Fronten: Einerseits lernt sie ihre Arbeiter immer besser kennen, andererseits erlebt sie bei der Arbeit im Ausländeramt, wie ihre Chefin alltäglich verzweifelte Ausländer auflaufen lässt und wie selbstverständlich großkotzig sich ihre Clique gegenüber den Asylbewerbern verhält.

Nach ihrem holprigen Start sind es gerade die Ratschläge der Erntehelfer, die Nike helfen, ihre neuen Verpflichtungen auf dem Hof des Vaters zu erfüllen. Während sich die Jungbäuerin langsam mit der Bosnierin Milena, gespielt von Kroatin Lea Mornar, anfreundet, entfernt sie sich immer mehr von ihrer eigentlich besten Freundin, der zickigen Suse (Grimme-Preisträgerin Susanne Bormann). Als sie Milena auch noch erwischt, wie sie Geld aus ihrer Tasche stiehlt, verpasst Suse ihr eine fiese Abreibung.

Der Film verzichtet vollständig auf die üblichen Verstehe-nix-deutsch-Klischees und widersteht der Versuchung, dem Zuschauer die Moral der Geschichte einzuprügeln. Denkanstöße werden vielmehr in den eher beiläufigen Szenen geschaffen. Dass ein illegaler Einwanderer nicht gleich der "Russenmafia" angehört, ist gewiss keine neue Erkenntnis, aber man kann Toleranz ja gar nicht oft genug predigen ...
Ausstrahlung am 11.07.2007 um 23:30 Uhr auf ZDF Autor: Annekatrin Liebisch/teleschau - der mediendienst
Bilder: ZDF

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