Mit großen Namen hat der hagere Bursche aus London kein Problem. Er supportete dieses Jahr zunächst Take That, dann Lady GaGa - er der kleine Pop-Purist, sie Lady Masquerade. "Ja, das passt nicht zusa

mmen, das mag ich. Wir sind sehr unterschiedlich, aber wir machen Musik. Es ist also nicht so, dass sie Pfannkuchen backt und ich Autos verkaufe. Was gegensätzlich ist, ist nur unsere momentane Präsentation. Vielleicht trage ich auch bald Glitter ..." Gary lacht kurz und als wüsste er selbst nicht, was er morgen tut, sagt er: "Mich haben schon so viele Dinge überrascht in meinem Leben. Aber eins weiß ich: Die Wände zwischen den Genres sind doch längst eingerissen."
Live krallt er sich hinter sein Keyboard, im Studio macht er alles selbst, spielt jedes Instrument. "Aber ich bin nicht so gut wie Prince", fügt er an, um sich endgültig in der Ecke des trockenen britischen Humors zu verorten. Solange er arbeitet, ist er mit Ernst bei der Sache und ein bissc

hen stolz, dass sein Debüt ohne Vertrag mit einem Label entstand, von ihm produziert.
Seit er 16 ist, treibt er sich als Assistent und Kaffeekocher in namhaften Tonstudios herum, um dort alles aufzusaugen, was man lernen kann. Auch bei Peter Gabriel wollte er anheuern, doch der wollte ihn nicht: "Ich saß ihm gegenüber, der Legende Peter Gabriel, er summte einen Song von mir, aber er hat mich nicht genommen. Er meinte 'Konzentrier dich auf deine Musik, nicht auf meine.' Dann hab ich Gas gegeben."
Gary Go hat Witz, ist aber ein seriöser Musiker, der wie ein gebildeter, wohlerzogener Junge wirkt. Er mag Literatur, geht in Kunstausstellungen und weiß, dass "Männerherzen" die gleichen Produzenten hat wie "Das Leben der anderen", den er natürlich ges

ehen hat ("Ich schau ja viele ausländische Filme."). Der blasse Mann, der davon singt, wie jemand seine schwarzweißen Tage bunt macht, hat mit Sicherheit früher noch nicht mal einen Kaugummi geklaut. Er bedankt sich für diese Unterstellung. "Aber es stimmt wohl, ich bin ein guter Junge, auch wenn Drogenabhängigkeit helfen würde." Um sein Image ein wenig aufzupolieren, sucht er im Tourbus nach Alkohol: "Kuck, hinter dem Mineralwasser und dem Apfelsaft versteckt sich eine Flasche Jack Daniels, und auch die Rotweinflasche ist offen."
Der mittlerweile 25-Jährige ist nicht nur wegen seiner Brille ein typischer Nerd, der tags die Jalousien unten lässt, Sport weder sehen und erst recht nicht ausüben will. Musik war das Einzige, wozu er immer Lust hatte
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