Nelly Furtado: Mami lernt jetzt Französisch

"Ich finde es großartig, dass es sich auch einfach nur um die Musik drehen kann, ihren Rhythmus, ihre Melodien", lobt Nelly Furtado die Loyalität ihrer deutschen Fans. Denn die haben fleißig ihre aktuelle Single gekauft, obwohl sie vom Text diesmal noch weniger verstehen dürften als sonst: Wie ihr komplettes Album "Mi Plan" wurde auch "Manos Al Aire" von der 30-Jährigen in Spanisch abgefasst. Aber: "Musik ist so viel mehr als die Interpretation von Texten" stellt die Kanadierin zusammenfassend fest. Und das, obwohl die Suche nach den richtigen Worten für sie wohl noch nie so aufwendig war.

teleschau: Als bekannt wurde, dass Dein viertes Album spanischsprachig sein wird, war die erste Reaktion vieler Fans "Ich dachte, Nelly Furtado hätte portugiesische Wurzeln" ...

Nelly Furtado: Da ich schon als Kind Portugiesisch sprach, fiel es mir als Teenager sehr leicht, in der Schule Spanisch zu lernen. Die Sprachen ähneln sich schließlich sehr. Und als ich anfing, auf Spanisch zu singen, fühlte ich mich darin genauso aufgehoben, wie in den portugiesischen Liedern, die ich schon immer sang. Das ist mein Zufluchtsort.

teleschau: Spielen die kubanischen Wurzeln Deines Mannes Demacio dabei auch eine Rolle?

Furtado: Natürlich. Wir unterhalten uns auf Spanisch - nicht immer, aber dafür oft in sehr persönlichen Momenten. Und da Lieder ebenfalls etwas sehr persönliches, sehr Intimes sind, fiel es mir leicht, meine Gefühle in einer Sprache zu formulieren, die mir eigentlich fremd ist.

teleschau: Wie gut würdest Du Deine Spanischkenntnisse einschätzen?

Furtado: Perfekt ist mein Spanisch noch lange nicht. Ich schätze, ich spreche zu 50 oder 60 Prozent fließend. Darum habe ich mir auch Hilfe beim Texten gesucht, um meine Zeilen poetischer klingen zu lassen. Spanische Popmusik ist sehr lyrisch, und ich wollte, dass sich meine Platte mit einem richtigen spanischen Album messen kann. Sie sollte authentisch werden.

teleschau: Ist das der Grund, warum Du so lang gezögert hast, Deinen Traum zu verwirklichen?

Furtado: Es war Teil eines langen Prozess. Vorrangig musste ich mir klar werden, wohin ich wollte. "Loose" war ein sehr forderndes Album, ich war sehr lang auf Tour. Als ich nach Hause kam, nahm ich mir erst mal zwei Jahre frei. Das war meine erste Pause in acht Jahren. Es war großartig. Ich hatte danach das Gefühl, von vorn anzufangen, und ich mochte das. Wenn man ein normales Leben führt, einen Alltag hat, wird man leichter inspiriert. Ich fuhr früh meine Tochter zur Schule und ging anschließend ins Studio - während "Loose" eher ein Nachtalbum war, spielt "Mi Plan" am Tag. Ich habe es so genannt, weil es einen Teil meines Lebens widerspiegelt.

teleschau: Deinen Plan?

Furtado: Ja, aber nicht im Sinne einer To-Do-Liste, die man abhakt. Es geht darum, den Moment zu genießen, weil man nie perfekt planen kann. Gott ist wohl der Einzige, der den Plan kennt, und er kann sich in jeder Sekunde ändern. Das Leben hängt von Instinkten ab, von Entscheidungen.

teleschau: Und Du hast Dich dafür entschieden, Deinen spanischsprachigen Kollegen und Landsmann Alex Cuba als "Nachhilfelehrer" zu engagieren

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