Mystery multimedial: ProSieben zeigt das plattformübergreifende TV-Event "Kill Your Darling" (Mo., 26.10., 20.15 Uhr)
Fernsehen und Internet leben schon lange nicht mehr in getrennten Welten. Die beiden Plattformen koexistieren nicht nur, sie interagieren und ergänzen einander. Dem neueren Medium kommt dabei nicht etwa nur die Rolle zu, der guten alten Glotze die Zuschauer wegzuschnappen. TV (oder Kino) und Web können sich auch gegenseitig befruchten. Gut eignet sich dafür beispielsweise das Mystery- oder Sci-Fi-Genre. "Lost"-Schöpfer J.J. Abrams etwa veröffentlichte vor dem Start seines Kinoprojekts "Cloverfield" (2008) ein paar kryptische Trailer, eröffnete verschiedene Websites und richtete Profile der fiktiven Hauptcharaktere bei MySpace ein. Und los ging das fröhliche Rätselraten im Netz. Die Fans waren beschäftigt, und Abrams bekam günstige Werbung. ProSieben versucht nun mit dem Thrill-Time-TV-Event "Kill Your Darling" (Mo., 26.10., 20.15 Uhr) etwas ganz Ähnliches.
Am Ende des Projekts steht ebenfalls ein Film. Bis der Mystery-Thriller "Kill Your Darling", für den Vorkenntnisse nicht nötig sind, aber bei den Münchnern ausgestrahlt wird, können die Zuschauer scho

n mal im Netz eigenständig auf Schnitzeljagd gehen. Bereits Anfang September wurde die Webseite www.friendslost.de ins Leben gerufen. Hier findet der User stets neue verwackelte Handycam-Videos ("Blair Witch Project" lässt grüßen) von drei jungen Leuten, die offenbar in die Fänge eines Wahnsinnigen geraten sind.
Dazu gibt's einen Blog von Tim, einem Freund des Trios, der sich auf die Suche nach den Vermissten begibt, ein paar Fotos und auch Informationen über den fiesen Übeltäter, der - Nomen est omen - den wenig erfreulichen Namen "Fratzenschneider" trägt. Ein bisschen neugierig macht das allemal. Man kann sich durch die liebevoll angelegte Seite klicken, selbst spekulieren oder mit "Tim" per Kommentar über den Verbleib der Freunde rä

tseln. Für weitere Infos sorgen "anonym" eingestellte Clips bei MyVideo und Lokalisten-Profile der drei Freunde.
"Für die Zuschauer wird es ein ganz neues Erlebnis sein, zum ersten Mal dieses multimediale Projekt auf unterschiedlichen Plattformen erleben zu können", erklärte ProSieben-Geschäftsführer Thilo Proff. Doch auch wenn sich manch einer gerne auf das Spiel einlässt, alle User sind bei Weitem nicht begeistert. Als "halbgaren Mist, den man auf YouTube schon genug sehen kann", bezeichnet "Wolfgang" das erste Handy-Video in seinem Kommentar. "Das ist ja wie bei 'K11'", bewertet "Lalo" die schauspielerischen Leistungen. "Max" hingegen findet's "geil", vor allem, wenn man "endz prall is, törnt das so richtig". Nun ja, die Nörgler bleib

en der Seite mittlerweile weitestgehend fern, sodass tatsächlich einige konstruktive Kommentare - vor allem zur Suche nach den Vermissten - zu finden sind.
Im Großen und Ganzen also eine akzeptable Ergänzung zum Film, die bei manch einem User sicher Lust auf mehr macht. Schade, dass sich der Aufwand nicht lohnt. Denn das, was ProSieben am Montag, 26. Oktober, als Mystery-Thriller ankündigt, kommt einer Frechheit ziemlich nah. Drehbuchautor Christian Pasquariello setzt wohl voraus, dass die Zuschauer vor lauter Angst ihr Hirn abschalten und die kraterartigen Logiklöcher der Handlung nicht bemerken. Dumm nur, dass der Film von Christian Theede ("Gonger") gar nicht gruselig, sondern meistens unfreiwillig komisch ist. In die Reihe der "FunnyMovie"-Genre-Veräppelungen hätte er sicher besser gepasst
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