"Küss mich, Genosse!" - Vom Stress, die eigene Geburt zu organisieren
In der alten westdeutschen Geschichtsschreibung ist der 1:0-Siegtreffer des DDR-Fußballnationalspielers Jürgen Sparwasser gegen Beckenbauer, Netzer und Co. immer noch eine schmunzelnd zur Kenntnis genommene Randnotiz. Klar - schließlich wurde die BRD am Ende des 74er-Turniers Weltmeister. "Das war euer letzter großer Sieg, 1989 fällt die Mauer", blafft Jenny Lütjens (Mira Bartuschek) kurz nach Abpfiff dem sie verhörenden Stasi-Offizier entgegen. Die junge Frau im 70er-Blümchen-Look ist keineswegs Hellseherin, sondern lediglich eine Zeitreisende und Heldin der Sat.1-Komödie "Küss mich, Genosse!" (2006), die nun zum Jubiläum des Mauerfalls wiederholt wird.
Durch einen strammen Fußball-Schuss gegen den Kopf in die Vergangenheit katapultiert, muss Jenny am 22. Juni 1974 sicherstellen, dass ihre Eltern - ein Westmädchen und ein Ostbursche - just in der Min

ute des Sparwasser-Tores ein Kind zeugen, Klein-Jenny eben. Dabei zeigt sich, dass es nicht nur sehr stressig ist, für die eigene Geburt zu sorgen. Einen wüsten Genremix aus Ostwest-Lovestory, Fußballdrama, Science-Fiction und Highspeed-Komödie hat Franziska Meyer Price da inszeniert.
Nach dem Unfall landet Jenny in einem FDJ-Ferienlager des Jahres 1974. LPG-Chef Bieske (Jörg Schüttauf) und FDJ-Sekretärin Hartung (Anja Kling) halten die junge Frau für die Nichte des Staatsraats-Vorsitzenden Honecker. Zum Diskoabend treffen bald darauf Jennys zukünftige Eltern ein: Ost-DJ Fränkie (Constantin von Jascheroff) sowie das Westmädchen Alexandra (Josefine Preuß), das sich nach einer Pinkelpause neben der Transit-Strecke verlaufen hat. Der Zeitreisenden bleibt nur noch ein Tag Zeit, dann m

üssen sich ihre Erzeuger ineinander verliebt haben, illegalerweise den Sonderzug mit linientreuen DDR-Fans zum WM-Spiel nach Hamburg entern und den Liebesakt in den Katakomben des dortigen Volkspark-Stadions vollziehen.
Spätestens seit "Zurück in die Zukunft" weiß man, dass überdrehte Komödien und Zeitreise-Science-Fiction prinzipiell gut zusammenpassen und dass die ewig faszinierende Frage "Wie verändert sich die Zukunft durch Eingriffe in die Vergangenheit?" ebensolche Spannung verspricht wie ein dramatisches Fußballspiel. Dass der stets auf einer Ebene des "gefühlt Konstruierten" verharrende Sat.1-Film in ausreichendem Maße unterhält, liegt aber an den tapfer gegen die Geschichte anspielenden Darstellern und an der liebevollen ostalgischen Ausstattung.
"Doctor's Diary"-Regisseurin Franziska Meyer Price arbeitet derzeit an der Familien-Agentenkomödie "Undercover Love" (Drehbuch: Bora Degtekin) mit Martina Hill, Anja Kling und Henning Baum. Der 90-Minüter soll 2010 bei RTL ausgestrahlt werden.
Ausstrahlung am 10.11.2009 um 20:15 Uhr auf Sat.1
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Autor: Eric Leimann/teleschau - der mediendienst
Bilder:
Sat.1 / Aki Pfeiffer
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