Jutta Kammann: Die Denkweise des Ostens
Nun ist "In aller Freundschaft" keine Krankenhaus-Serie, die sich an präzisen OP-Bildern labt oder sich an modernen und flotten Schnitttechniken von US-Serien wie "Grey's Anatomy" orientiert. Vielmehr kennzeichnet die seit elf Jahren im Abendprogramm des Ersten laufende Sendung eine geerdete, unaufgeregte Machart, der das Siegel der deutschen Serienkultur in Reinform gewiss anzuhaften scheint. Der Erfolg liegt an der unbestritten hohen Klasse der Darsteller und an der "Personenbindung der Zuschauer an den Stamm-Cast und deren Verwicklungen innerhalb der Rollen", sagt Schauspielerin Jutta Kammann, die von Anfang an zu jenem Ensemble gehört. In der 450. Folge (Di., 13.10., 21.05 Uhr) widmen die Autoren der Darstellerin, die die Oberschwester Ingrid Rischke spielt, ein besonders dramatisches Jubiläum.
"Wir gehören als Darsteller schon mit zur Verwandtschaft", erklärt die 65-Jährige die Zuschauerbindung weiter. "Die Leute sprechen mich dauernd auf der Straße an, weil sie glauben, ich bin ein Familie

nmitglied."
Die seit mehr als 30 Jahren in München lebende Schauspielerin kann den Erfolg der Sendung und auch ihr eigenes Engagement aber an einem konstitutiven Umstand festmachen. "Ich wirkte in der Vergangenheit in vielen, auch noblen Produktionen mit, in denen die Schauspieler getragen und wirklich gut behandelt wurden. Aber was ich in Leipzig gefunden habe, ist ein wirklicher Familiensinn", erklärt der rothaarige Fernsehstar. Angefangen bei der Geschäftsleitung, die "In aller Freundschaft" betreut, über die Schauspielerkollegen und Kameramänner bis hin zu den Licht- und Kabelleuten sei das Leipziger Team geprägt von einem positiven Gemeinsinn.
Am allermeisten hat Jutta Kammann dem eigenen Bekunden nach dabei von der "Denkweise des Ostens" profitiert. "Die Mentalität der Menschen is

t das Besondere hier. Früher, zu DDR-Zeiten, waren die Menschen ja gezwungen zusammenzuhalten, sich gegenseitig zu helfen und familiärer zu denken. So ist es auch in unserer Produktion", berichtet die gebürtige Baden-Württembergerin.
Dass diese positive Atmosphäre auch von den Zuschauern wahrgenommen wird, belegen die beständigen Quoten. Auf die Frage, ob sie nach elf Jahren, in denen sie ausschließlich für die MDR-Produktion vor der Kamera stand, mit anderen Projekten wie Krimis abgeschlossen habe, rückt Jutta Kamman ihren Stand dezidiert, aber herzlich gerade: "Ich lebte ein sehr bewegtes, sehr langes und relativ erfolgreiches Berufsleben. Ich hatte das Glück, fast immer zu arbeiten."
Schließlich seien nur zehn Prozent aller Schauspieler in der Lage, von ihrem Beruf leben zu können, sagt die Darstellerin, die bereits in den 70-ern in zahlreichen "Derrick"- und "Der Alte"-Folgen mitwirkte. "Nach dem Tod meines Mannes war ich sehr einsam und habe mich nach einem Ensemble gesehnt", sagt die Witwe von Regisseur Wilhelm Semmelroth. "Solange 'In aller Freundschaft' weiterlebt, möchte ich weiterhin Teil dieser Familie sein."
Nicht umsonst steht die Jubiläumsfolge ganz im Zeichen Jutta Kammanns, die als Oberschwester Rischke einen schweren Schicksalsschlag hinnehmen muss. Die Ärzte diagnostizieren nach einem Sturz eine Metastase in ihrem Halswirbel. Die erforderliche Operation aber ist äußerst risikoreich. Hilfe erhält sie vom gesamten Ärzteteam um Professor Simoni (Dieter Bellmann), der ihr stets zugetan war
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