teleschau: Viele Schauspieler, die eine reale Person verkörpern, betrachten es als Ideal, möglichst mit ihrer Figur zu verschmelzen. Sie sagen über Ihre Rolle als Romy Schneider, dass Sie dahinter als

Schauspielerin klar erkennbar bleiben wollten. Warum?
Jessica Schwarz: Über Romy gibt es eine fast zu üppige, manchmal verwirrende Flut an Informationen: Presseberichte, Tagebucheinträge, unermesslich viel Filmmaterial. Dazu Bildbände, Biografien, Zeitzeugen. Aus diesem Wust an Informationen musste ich meine Romy auf ein filmverträgliches Maß reduzieren. Ein weiteres Problem ist, dass Romy Schneider schon zu Beginn meiner eigenen Schauspielerei ein großes Vorbild für mich war. Um das alles hinter mir zu lassen, erschien es mir sinnvoll, eine eigene Persönlichkeit hinter der Rolle zu kreieren. Der Film ist sozusagen meine Interpretation von Romy - nach bestem Wissen und Gewissen.
teleschau: Haben Sie beim Rollenstudium Ähnlichkeiten zwischen sich und Romy Schneider entdeckt?
J

essica Schwarz: Auf jeden Fall. Das fängt damit an, dass wir beide keine klassische Ausbildung genossen haben, ohne Schauspielschule, ohne das technische Rüstzeug zur Annäherung an eine Rolle. Deshalb müssen wir beide vieles spüren, was bei - sagen wir - drei Filmen im Jahr ziemlich anstrengend ist. Wenn man dann noch wie ich aus der "Viva"-Ecke kommt, traut man mir handwerklich nicht allzu viel zu. Ich muss viel härter darum kämpfen, ernst genommen zu werden, als andere. Ich muss viel mehr beweisen. Ich habe diese kleine Romy in mir getragen, wie es viele meiner Kollegen tun. Diesen Makel anfänglicher Erfolge, die es zu bestätigen oder zu übertreffen gilt. Und dabei habe ich zu zeigen versucht, was diese Frau wirklich fühlt und zwar durch meine Augen. Gerade weil ich ein Jahr lang nichts ander

es getan habe, als mir ihre Stimme anzueignen, musste ich meinem Leben dahinter Geltung verschaffen. Wer in dieser Berufung namens Schauspielerei zum einen den Beruf, zum anderen aber auch das private Glück dahinter spüren will - der sollte immer zusehen, dass ein bisschen was Eigenes in den Rollen steckt. Andernfalls wird man schnell aufgefressen.
teleschau: Romy Schneider ist eine Ikone und Frau vieler Legenden, die im Bereich der Küchentischpsychologie fischen: Sie war zu sensibel für den Beruf, sie hat zu viel von sich in die Rollen hineingegeben und so weiter. Tragische Züge, aber positiv im Sinne des Romy-Images. Konnten Sie auch Dinge an Romy entdecken, die Sie stören, die Sie richtig auf die Palme bringen?
Jessica Schwarz: Ich hätte mir für sie gewünscht, dass sie ihr Harmoniebedürfnis zugunsten selbst artikulierter Wünsche und Vorstellungen auch mal überwindet
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