Ein Ende mit Schrecken: Auf dem Neuanfang beim Münchner "Polizeiruf 110" liegt ein Schatten

"Ich kündige." Kriminalhauptkommissar Jürgen Tauber (Edgar Selge) lässt nicht mehr mit sich reden. In der letzten Münchner "Polizeiruf 110"-Folge mit dem einarmigen Sonderling, die das Erste unter dem passenden Episodentitel "Endspiel" führt und am Sonntag, 8. November, um 20.15 Uhr, ausstrahlt, zieht er sich mitten in den laufenden Ermittlungen vom Dienst zurück. Zackig schiebt er ein Abschiedsschreiben, seinen Polizei-Dienstausweis und den Schlüssel zur Waffenkammer über den Schreibtisch. Dann noch ein letztes "Tschüss" an seine Kollegin Jo Obermaier (Michaela May) - und der harte Schnitt ist vollzogen.

Mit dem Ausscheiden des beliebten Ermittlerteams geht - in einem sehenswert spannenden Finale - eine Ära zu Ende. Und über dem Neubeginn liegt ein düsteres Omen: Der erste neue Münchner "Polizeiruf 110 - Klick gemacht", der am Sonntag, 29. November, um 20.15 Uhr in der ARD, zu sehen sein wird, ist nach dem überraschenden Krebstod von Jörg Hube ebenfalls ein Endspiel. Künftig übernimmt Matthias Brandt die Ermittlungen.

Michaela May kann es zunächst gar nicht richtig fassen. Der 57-jährigen Münchner Schauspielerin, die mit Edgar Selge in 17 Kriminalfilmen zu sehen war, gingen die Dreharbeiten für die letzte Abschiedsszene im Büro von Dezernatsleiterin Irmi Wiedemann (Adele Neuhauser) ans Herz. Die Jahre an der Seite von Selge, zu dem ihr nicht selten ein eher gespanntes Verhältnis angedichtet wurde, waren ein sehr prägender Lebensabschnitt.

"Da ist jetzt eben doch Wehmut zu spüren", sagte sie noch am Set, als der "Polizeiruf 110: Endspiel" fertig gedreht wurde. Vielleicht hätte sie noch gerne für den Bayerischen Rundfunk weitere Krimis mit Edgar Selge gedreht. Doch der zog selbst den Stecker, als er ankündigte, die Reihe verlassen zu wollen. Inzwischen empfinden beide - Selge wie May - den gemeinsamen Ausstieg als Befreiung.

"Es ist ein warmes Gefühl, vom Publikum vermisst zu werden", sagt Michaela May heute. "Das ist doch besser, als wenn die Fans sagen: Was, Ihr macht das immer noch?". Jetzt freut sie sich über eine neue Bandbreite an Rollenangeboten und ist froh, nicht immer nur als die Kommissarin gesehen zu werden. Für Selge waren die Möglichkeiten seiner Rolle ausgereizt. "Ich finde es einen ganz normalen Vorgang, nach 17 Folgen auszusteigen", versucht er zu beschwichtigen. Rechtzeitig die Reißleine zu ziehen, ist für ihn eine Lebensmaxime. "Ich muss mit etwas aufhören, um den Schwung zu haben, etwas Neues zu machen."

Auch Selge, der sich in der letzten Folge als Kommissar Tauber stark zu einem idealistischen jungen Ermittler, gespielt von Wanja Mues, hingezogen fühlt, zieht ein positives Fazit. Die Misstöne, die die Bekanntgabe seines Ausstiegs umspielten, sind verklungen. "Die deutsche Fernsehlandschaft ist voll von Kommissaren, die mit sehr vielen Klischees behaftet sind", so Selge. "Michaela May und ich haben versucht, eben keine dieser Kommissare, sondern echte Personen zu spielen." Mit der Abschiedsfolge "Endspiel", die im Drogenmilieu spielt und interne Ermittlungen im Kollegenkreis nach sich zieht, bekommen beide ein würdiges Finale

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