Christoph Maria Herbst:

Die Sache mit der Kunstfigur ist Christoph Maria Herbst noch immer eine Betonung wert: "Bis heute glauben viele Ihrer Kollegen, ich spiele mich selbst." Ob die Unterstellung zutrifft, sei mal dahingestellt. Dass man mit einer Type wie Stromberg nicht unbedingt privat identifiziert werden möchte, ist allerdings verständlich. Wie ein Anachronismus hat sich die ebenso komische wie niederschmetternd tragische Mockumentary-Serie im ProSieben-Programm breitgemacht. Ein prima Anlass für den 43-jährigen Schauspieler, seinem armseligen Antihelden einmal einen psychopathologischen Befund auszustellen - ein paar Randbemerkungen zur deutschen Humorlandschaft inklusive.

teleschau: Herr Herbst, der lange Wahlkampf, der hinter uns liegt, wäre doch genau die richtige Spielwiese für Stromberg gewesen ...

Christoph Maria Herbst: Absolut. Ich bin mir nur noch nicht sicher, wo er selbst sein Kreuzchen gemacht hätte ...

teleschau: Das wäre die nächste Frage gewesen ...

Herbst: Ich denke, er käme mit der bürgerlichen Regierung jetzt wesentlich besser klar als mit den Sozen. Ich glaube, dass sich der gute Bernd Stromberg als liberal empfindet und darüber hinwegsehen könnte, dass der zukünftige Außensuperminister sexuell nicht in seinem Sinne orientiert ist. Wahrscheinlich wäre er sogar eingefleischter FDP-Wähler. Er glaubt, etwas Besseres zu sein als die anderen, und vergisst darüber, auf seinem Gehaltszettel rechts unten zu gucken, was tatsächlich übrig bleibt.

teleschau: Wenn er seine verbalen Ausfälle besser im Griff hätte, wäre eine Politikerkarriere für Stromberg denkbar?

Herbst: Ganz klar. Neben der Tatsache, dass Stromberg ein Fleisch gewordener Schrei nach Liebe ist, war er für mich immer schon eine Mischung aus Politiker und Gebrauchtwagenhändler. Da sind die Grenzen ja äußerst fließend, und die Schnittmenge ist der gute alte Bernd.

teleschau: Derzeit grassiert unter Humoristen so ein Alter-Ego-Trend. Wo man hinschaut, wimmelt es von Horst Schlämmers, Uwe Wöllners und Brünos. Dachten Sie auch schon mal daran, den Stromberg aufs wirkliche Leben loszulassen?

Herbst: Die Idee liegt gerade vor dem Schlämmer-Hintergrund tatsächlich nahe. Ich muss aber sagen: So sehr ich Hape Kerkeling verehre, so wenig traue ich mich, in seinen Kinofilm zu gehen. Da gehört das Ganze irgendwie nicht hin.

teleschau: Schreckt Sie der flächendeckende Hype?

Herbst: Genau. Dass eine solche Figur über den Status des Besonderen hinaus zu einem Kultstatus erhoben werden muss und im Kino auftaucht - das sehe ich nicht zwingend. Bei Stromberg kann ich mir das auch deshalb nicht vorstellen, weil ich den Aktionskünstler und Alltagscomedian in mir noch nicht recht entdeckt habe. So ein Oliver Pocher oder Hape Kerkeling, wenn ich die mal in einem Atemzug nennen darf, sind da viel abgebrühter.

teleschau: Und umgekehrt sind sie weniger detailverliebter Schauspieler als Sie?

Herbst: Ich fühle mich mit dieser Kunstfigur in der Tat viel wohler. Bis hin zu dem Umstand, dass diese Figur Sätze spricht, die gescriptet sind. Ich setze mich zu Hause hin und lerne die auswendig!

teleschau: Könnte es sein, dass die Serie auch ohne eine Stromberg-Partei hochpolitisch ist? Zeigt sie womöglich, wie der Kapitalismus im Kleinen, in den Abteilungen scheitert? Bei der Capitol-Versicherung wird ja nicht gerade ökonomisch gearbeitet

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