"8 Mile" - Erst nach oben und dann ...
Was war das doch für ein Bilderbuch-Karrierestart, als sich Eminem 1997 mit "My Name Is" vorstellte. Über Nacht wurde der Detroiter vom unbeachteten Gossenkind zum erfolgreichsten weißen MC. Mehr als das: Er brachte frischen Wind in den HipHop und revolutionierte nebenbei das Business. Wann genau Em diese Stellung als Galionsfigur des Rap abtrat, ist heute schwer zu sagen. Fakt ist: Der Blondschopf, der mit bürgerlichem Namen Marshall Bruce Mathers III. heißt, brachte im Mai dieses Jahres sein erstes Album seit 2004 heraus. "Relapse" verkaufte sich international mehr als eine Million Mal. Ein guter Zeitpunkt für RTL II also, das Biopic "8 Mile" (2002) zu wiederholen.
Regisseur Curtis Hanson inszeniert die Geschichte eines Jungen, der um Anerkennung buhlt, immer auf der Suche nach einem kleinen bisschen Macht, die einen da draußen am Leben hält. Alles rankt sich um

die durch den Film zu zwielichtigem Ruhm gekommene Straße mit dem Namen "8 Mile", die in Detroit das weiße vom schwarzen Ghetto trennt. Den Weißen geht es dabei noch etwas besser. Doch Jimmy "Rabbit" Smith, so der Name des abgestumpften Trotzkopfs, will dies alles hinter sich lassen. Zusammen mit seiner Mutter (Kim Basinger) wohnt er in einem heruntergekommenen Loch, das förmlich danach schreit, verlassen zu werden. Also geht es langsam, aber stetig hinauf - mit jedem Schritt ein bisschen weniger Dreck und mehr von dem Licht, das die übrige Welt Normalität, Jimmy aber Wohlstand nennt.
Natürlich muss ihn erst seine Freundin Alex (Brittany Murphy) betrügen und kurz darauf noch eine Gang fieser Jugendlicher verprügeln, damit er seinen Hass - oder pädagogisch sinnvoll ausgedrückt: seine Unzufriedenheit - bündeln

kann und beim Rapbattle antritt. Pädagogisch sinnvoll daher, weil "8 Mile" wider jeder Erwartung kein dunkles, realistisches Abbild der Detroiter Unterwelt ist, sondern ein aufmunterndes Mutmach-Werk, das mehr heroisierend als kritisch-authentisch mit einem noch recht jungen Mythos umgeht.
Der Film hat nur ein Ziel: Eminem als Gutmenschen zu stilisieren, der er offensichtlich aber nicht ist. Sein Image als böser Junge, das er mit hässlichen Drogengeschichten, Hasstiraden gegen Schwule, fiesem Gedisse, krassen Ryhmes und unzähligen Courtroom-Auseinandersetzungen gepflegt hat, sollte plötzlich widerlegt werden: Der heutige Star avancierte wie einst "Rocky" vom Prügelknaben mit dem Selbstwertgefühl eines Hundehaufens zum moralischen Sieger über jegliche Zweifler - und über jede Konkurrenz. Allzu viel Theatralik für eine doch recht einfache Programmatik: "Ich will nach oben, und wenn ich da bin, können mich alle mal."
Ausstrahlung am 08.11.2009 um 20:15 Uhr auf RTL II
Zur Bilder-Galerie
Autor: Bernd Fetsch/teleschau - der mediendienst
Bilder:
RTL II
Weiterführende Links