Die Leute sind durchaus neugierig auf neue Ermittler.
teleschau: Das spricht aber auch für die Stärke der Marke "Tatort", der die Leute offensichtlich blind vertrauen.
Henke: Sie vertrauen ihr zumindest, und das ist eine komfortable Situation für alle Schauspieler und Autoren, die neu dazukommen. Man muss sich sein Publikum nicht so hart erkämpfen wie bei einem neuen Stoff ohne "Tatort"-Siegel. Aber auch nicht ohne Grund: Über viele Jahre hinweg werden beim "Tatort" kontinuierlich Höchstleistungen erbracht.
teleschau: Gibt es Pläne, sich der Stärke dieser Marke über die guten Quoten hinaus zu bedienen?
Henke: Wir gehen sehr behutsam mit der Marke "Tatort" um. Bislang gibt es den "Tatort" noch nicht einmal auf DVD, aber wir arbeiten gerade an einem Vertriebskonzept. Ich gehe derzeit davon aus, dass wir noch in diesem Jahr "Tatort"-DVDs verkaufen werden.
teleschau: Bei all den Lobeshymnen auf den "Tatort" gilt es trotzdem festzuhalten: Früher war das Format noch erfolgreicher, da freute man sich öfter mal über mehr als zehn Millionen Zuschauer. Diese Traummarke erreicht man heute nicht mehr...
Henke: Das trifft aber auf alle lang laufenden Formate zu. Wir müssen mit einem immer stärker diversifizierten Markt leben. Die Marktanteile verteilen sich heute breiter als früher. In der Relation jedoch ist der "Tatort" oft genauso erfolgreich wie früher: Mehr als Marktführer kann man ja nicht sein.
teleschau: "Tatort" 700 präsentiert ein neues Leipziger Team, das nicht sächselt. Auch der schwäbelnde Stuttgarter Kommissar Bienzle ist weg. Bei den neueren Ermittlern fällt auf, dass die Dialektsprecher immer mehr verschwinden und dass Regionalität allgemein an Bedeutung zu verlieren scheint.
Henke: Das spiegelt aber auch die Realität in Deutschland wider. Immer mehr Leute reden Hochdeutsch, und Dialekte werden einfach von vielen Zuschauern abgelehnt. Wir hatten gerade den rheinischen Roman "Teufelsbraten" von Ulla Hahn im Programm, da wurde Dialekt gesprochen, und das war für viele Zuschauer sicherlich ungewohnt. Es gibt ein großes Gefälle in der Akzeptanz der deutschen Dialekte. Ein gepflegtes Münchnerisch oder Norddeutsch, wie man es von Jan Fedder oder aus dem Ohnsorg-Theater kennt, ist fast überall akzeptiert. Wenn Sie breites Sächsisch reden oder Ruhrpottslang haben Sie bundesweit größere Akzeptanzprobleme. Das ist sogar wissenschaftlich erwiesen. Dazu kommt, dass immer weniger Schauspieler Dialekt sprechen. Trotzdem gibt es in unserer globalisierten Welt auch einen Trend zur Regionalität
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