Schwer vermintes Gelände: Historisch heikel: Eine große ARD-Dokumentation (So., 11.05., 17.15 Uhr; Mo., 12.05., 17.45 Uhr) befasst sich mit den Nibelu

(tsch) 144 Ochsenkarren voller Gold und Edelsteine: So groß soll er gewesen sein, der Schatz der Nibelungen. Und noch heute tummeln sich am Rhein Abenteurer, die an dem alten Strom ihr Glück versuchen. Ohne jede Erfolgsaussicht? Nicht unbedingt, finden die Filmemacher André Meier und Jürgen Stumpfhaus, die sich für eine aufwendige, zweimal 45-minütige Dokumentation auf die Spur der Nibelungen und ihres sagenumwobenen Rheingolds begaben. Wer waren die Burgunder wirklich? Wer war Siegfried? Und vor allem: Wo ist der Schatz geblieben? Um es vorwegzunehmen: Der Zweiteiler "Der Schatz der Nibelungen" (Pfingstsonntag, 11.05., 17.15 Uhr, Pfingstmontag, 12.05., 17.45 Uhr) beantwortet all das natürlich auch nicht befriedigend. Aber der Film wartet nicht nur mit aufwendigen Spielszenen auf, sondern auch mit einigen überraschenden Thesen zu den historischen Vorbildern der Nibelungen.

teleschau: Warum die Nibelungen, Herr Meier? Ist das Nationalepos der Deutschen nicht ein Thema, bei dem man sich als Dokumentarfilmer zwangsläufig in die Nesseln setzt?

André Meier: Sicher, das ist schwer vermintes Gelände. Aber das macht die Sache gerade spannend. Es ist mir bewusst, dass bei diesem Thema jede Positionierung strittig ist und ein solcher Film Ansatz zur Diskussion liefern muss. Aber ein Denkanstoß soll "Der Schatz der Nibelungen" ja sein.

teleschau: Etwas anderes ist bei diesem Thema eben auch nicht möglich. Es gibt schlicht zu wenig Fakten.

Meier: Richtig. Was wir wissen, ist sehr vage. Wir haben die Handschrift aus dem 13. Jahrhundert, die eine atemberaubende Geschichte erzählt, die auch heute verfilmt und in die Jetztzeit übertragen jede Vorabendserie in den Schatten stellen würde. Wir gingen der Frage nach: Was ist an diesem Stoff historisch eventuell real gewesen? Die verschiedenen Spuren, denen wir folgten, stellen wir nun dem breiten Publikum zur Diskussion.

teleschau: Was fasziniert Sie persönlich am Nibelungen-Stoff?

Meier: Dass es ein gesamteuropäisches Werk ist, ein Patchwork-Mythos, der seine Wurzeln vermutlich schon in der Zeit der Völkerwanderung hat und dessen Splitter sich über ganz Europa verstreuten. Die Mosaiksteine zu einem halbwegs schlüssigen Bild zusammenzukitten, ist eine interessante Herausforderung. Freilich sind die Nibelungen für mich als Kunstgeschichtler lange Zeit auch eher ein spröder Schulstoff gewesen - bis ich vor Jahren den Fritz-Lang-Film "Die Nibelungen" sah, dessen expressive Bildsprache, Intensität und Größe mich so sehr fasziniert hat, dass wir einige Ausschnitte gerne für unseren Film benutzt haben.

teleschau: Trotzdem: War für den Dokumentarfimer nicht ein gewisses Frust-Erlebnis vorprogrammiert, weil die recherchierbaren Vorlagen und Fakten zwangsläufig fehlen?

Meier: Da muss ich widersprechen. Es gibt sehr wohl einige Splitter und Spuren, die schlüssig sind. Wir zeigen diese auf und lassen sie im Film von kompetenten Wissenschaftlern erklären. Ich finde das sehr faszinierend. Wir gehen aus von verschiedenen historischen Begebenheiten, die sich zwischen dem ersten und sechsten Jahrhundert nach Christus tatsächlich ereignet haben.

teleschau: Bislang sind Versuche, Siegfried an einer konkreten historischen Person festzumachen, gescheitert. Sie bringen ihn nun mit dem germanischen Helden Arminius in Verbindung, spekulieren, der Schatz der Nibelungen könnte die Kriegskasse des Varus, inklusive der Prunkrüstungen seiner Offiziere, gewesen sein, und der Drache umschreibe die durch Germaniens Wälder ziehenden römischen Legionen

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