Es war trotzdem eine umheimlich interessante Erfahrung. Außerdem setzte aber ein lawinenartiger Prozess ein: Beim Bäcker wurde ich plötzlich als 'Frau Buchmüller' angesprochen. So eine Rolle hat eine solche Breitenwirkung, dass man aufhört, glaubhaft zu werden, wenn man auf der Bühne steht. Ich wollte aber weiter verschiedene Rollen spielen und nicht als Kommissarin durchs Leben gehen. Gelegentlich sehe ich natürlich den 'Tatort' - Man entkommt dem ja gar nicht. Es gibt so viele, das ist schon inflationär. Ich bewundere die Leute, denen da immer noch etwas einfällt. Aber eigentlich sehe ich am liebsten Hannelore Hoger als 'Bella Block' im ZDF. Ich finde, sie hat es geschafft, eine eigene Person dahin zu stellen."
"Der Brocki": Charles Brauer (72) bildete fast 15 Jahre lang (1986 bis 2001) mit Manfred Krug eines der beliebtesten Ermittler-Duos: Als Brockmöller und Stoever gingen sie beim NDR als singende Kommissare in die "Tatort"-Geschichte ein. Brauer steht derzeit in Bochum auf der Bühne: "Ich blicke wenig zurück und habe auch keinerlei Sentiments, keine Wehmut. Das ist für mich eine abgeschlossene Zeit, aber eine sehr prägende. Der "Tatort" brachte eine nicht zu unterschätzende Popularität, und es entstand eine Freundschaft mit einem sehr lieben Menschen, nämlich Manfred Krug. Wir sehen uns regelmäßig, wenn ich in Berlin bin. Aber nicht, um zu singen (lacht). Wir sitzen in der Kneipe oder gehen mal zusammen auf den Trödel. Letztens sah ich zufällig einen WDR-'Tatort': Wie die Kommissare da so an der Frittenbude standen - ich denke schon, dass das etwas ist, das wir kreiert haben. Auch die Scherzchen untereinander. Bei den aktuellen 'Tatorten' sehe ich die Münchner nach wie vor ziemlich weit vorne, was die Drehbücher angeht. Auf die kommt es an. Ich schalte schnell weg, wenn mir eine Geschichte zu konstruiert vorkommt und ich mir denke: 'Jetzt müsste der Kommissar doch aber nachhaken und nicht den Beschuldigten mit einem trotzigen Satz aus der Szene gehen lassen ...' - Wir durften damals zunehmend mitreden und Änderungen vornehmen. Wir schmissen manche große Action-Nummer 'raus, um den Fall auf elegantere Weise zu lösen. Uns sah man selten mit der Pistole durch die Gegend rennen."
Der Elegante: Winfried Glatzeder (62) nahm seinen Berliner Ermittler Ernst Roiter (SFB) 1996 höchst ambitioniert in Angriff. Bis 1998 war der Schauspieler, der unter anderem in Potsdam Theater spielt, als Hauptkommissar mit seinem ungleichen Partner Zorowski (Robinson Reichel) in der Hauptstadt unterwegs: "Ich habe versucht, einen Ermittler in der Tradition von Luis de Funès oder Jacques Tati zu gestalten
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