..
Utley: Hat alles seine Grenzen. Das mit der schlechten Stimmung, die es erleichtert, Musik zu machen, ist schon wahr, es geht nicht besonders, wenn man sich gut fühlt. Wütend sein hilft auch. Aber manchmal braucht man eben doch seine Auszeit. Wir waren damals in Australien, und Geoff ging nach der Arbeit an diesem New-York-Album ("Roseland NYC Live", 1998) dorthin zurück. Es war so ein entspanntes Land, alles war großartig. Doch für mich war das nichts. Ich wollte auch raus aus Bristol, pendelte viel nach New York, ging schnell zurück an die Arbeit. Das war mein Weg aus dieser Zeit, die unglaublich dunkel war. Diese Dunkelheit ist etwas, an das ich mich fast nicht mehr erinnern kann.
teleschau: Ist es denn in Ordnung, dass Portishead jetzt wieder so viel Zeit Ihres Lebens beansprucht?
Utley: Nein, das ist nicht okay. Das Album zu beenden war wichtig und auch anstrengend für uns. Jetzt befinden wir uns in der Tourvorbereitung, aber wir werden nicht zwölf Monate lang Konzerte geben. Ich will nicht ein Jahr von meiner Tochter getrennt sein, gehe lieber ins Studio und arbeite dort. Demzufolge wird es schwierig werden, für Leute, die uns live sehen wollen. Wenngleich wir in den bisher größten Hallen spielen werden.
teleschau: Ist das ein unangenehmes Gefühl?
Utley: Nein, die Menge des Publikums beeindruckt mich nicht. Musik ist etwas, das geteilt werden sollte. Ich glaube, ich wäre vor 70 Leuten nervöser als vor 7.000. Einzig, unsere Musik live zu präsentieren, ist nicht so einfach, und je größer die Halle, desto schwieriger ist es, den Sound gut hinzubekommen.
teleschau: "Third" präsentiert sich vielfältiger als die beiden anderen Alben und vielleicht auch weniger deprimiert.
Utley: Ich wünschte, ich könnte Musik beschreiben. Aber das mit der Vielfalt stimmt. Wobei wir die Alben immer als Ganzes betrachten, also das, was man in den Siebzigern als Konzeptalbum bezeichnete. Der erste Song soll aber nicht die Stimmung vorgeben. Wir brauchen schon mehrere Bilder für eine Ausstellung, das macht die Vielfalt aus, und ich denke, wir haben das diesmal ausgedehnt.
teleschau: Es beginnt sehr charming und dringt dann zum Grund vor.
Utley: So dass man in das Album hineingeführt wird? Wobei die Reihenfolge diesmal Zufall ist. Wir baten einen Toningenieur, die Songs zusammenzustellen und fanden die Abfolge so gut, dass wir kaum mehr was verändert haben. Ein glücklicher Unfall.
teleschau: Das ist nicht eure normale Arbeitsweise
1
·
2
·
3