Tatsächlich war Beckmann der einzige Podiumsdiskutant, der die politische Ambivalenz Chinas stärker betonte, als dessen Image des modernen Unrechtstaates par excellence zu pflegen.

Während sich Sandra Maischberger am 20. Mai in einem Gespräch mit dem ausgewiesenen Chinaexperten Helmut Schmidt auf ihre Peking-Mission vorbereitet, schwebt der ARD-Starsatiriker erst einen Tag vor der Eröffnungsfeier ins Reich der Mitte ein. Harald Schmidt, der mit Waldemar Hartmann wieder seine Turin-erprobte Sendung "Waldi und Harry" den ARD-Tagesthemen folgen lassen wird, sieht das Wirken von Staatssicherheit und Zensur in China selbstredend rein positiv: "Man kann immer sagen: Hier im Studio war die Stimmung der Hammer, die Gags müssen unterwegs rausgeschnitten worden sein."

China-erfahrene deutsche Journalisten warnen vor allem vor vielen kleinen Behinderungen in Gestalt endloser behördlicher Genehmigungsverfahren und verstellter Wege zu eventuell kritischen Interviewpartnern. Kaum ein Experte glaubt hingegen an eine tatsächliche Manipulation des Bildmaterials. "Die Chinesen machen die Bilder ja gar nicht", klärt ZDF-Programmchef Olympia 2008, Eberhard Figgemeier, auf. "Das Weltsignal wird von einer Tochterfirma des IOC produziert, an deren Spitze steht ein Spanier."

Etwa 80 Fernsehteams aus der ganzen Welt arbeiten für das BOB ("Beijing Olympic Broadcasting"). So werden voraussichtlich australische Kameraleute und Techniker die Schwimmwettbewerbe in Szene setzen, während die Eröffnungsfeier in finnischen Händen liegt. Die einzige Möglichkeit der Chinesen, das so genannte Weltsignal zu manipulieren, besteht laut Figgemeier in der Möglichkeit "schwarz zu ziehen" - mit anderen Worten, den ausländischen Gästen den Strom abzuschalten.

Weder Figgemeier noch die Sender-Granden Nikolaus Brender und ARD-Programmdirektor Günter Struve können sich einen derartigen Eingriff vorstellen. Für Brender wäre dies der vielleicht einzige Grund, die Berichterstattung - wie im Falle der Tour de France 2007 geschehen - tatsächlich vorzeitig zu beenden. Sollten hingegen bis zur Schlussfeier 300 Sendestunden auf ARD und ZDF plus weitere 600 Stunden auf den Digitalkanälen beider Sendeanstalten den Weg von Peking nach Deutschland gefunden haben, wird man die sportlichen Entscheidungen vor allem nachts, am Morgen und gegen Mittag verfolgen müssen. Medaillen live gibt es von etwa 2.00 Uhr morgens bis zum späten Nachmittag deutscher Zeit.

Monica Lierhaus und Michael Antwerpes werden diesen Live-Marathon für die ARD moderieren, Michael Steinbrecher und Rudi Cerne leisten das fürs ZDF

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