Die politischen Spiele: ARD und ZDF stellen ihre Pläne für die Olympischen Spiele in Peking vor
(tsch) Gewarnt wird vor schwarzen Stasi-Limousinen, die routiniert ausländische Reporter verfolgen. Von Informantenschutz ist die Rede und den voraussichtlich 300 Stunden ARD- und ZDF-Bildmaterial, die von chinesischen Sicherheits-Fachkräften auf politische Botschaften hin analysiert werden. Wer der mit Prominenz gespickten Pressekonferenz von ARD und ZDF in Hamburg beiwohnte, gewann den Eindruck, als hätte das deutsche Fernsehen so richtig Lust, endlich mal wieder Olympische Spiele in einem totalitären Staat mitzunehmen. Nach dem Motto: Im Kino war "Das Leben der Anderen" schon ein Riesenerfolg, nun folgt die Reality-Variante mit knisterndem Spitzensport als Dreingabe. Weil diese Spannung kaum zu toppen ist, räumte das ZDF für seine acht Olympia-Tage sein Abendprogramm frei. Die ARD agiert etwas vorsichtiger und sendet die Höhepunkte des aufgrund von sechs Stunden Zeitverschiebung nächtlichen und morgendlichen Spektakels am Nachmittag. Die Olympische Spiele vom 08. bis 24. August in Peking werden von ARD und ZDF nicht nur mit Liveübertragungen umfangreich begleitet.
Wenn Harald Schmidt, Johannes B. Kerner, Sandra Maischberger, Reinhold Beckmann, Monica Lierhaus und Waldemar Hartmann auf einer Bühne sitzen, dürfte klar sein: ARD und ZDF stellen wieder einmal ihre

Pläne für ein gemeinsam gestemmtes sportliches Großereignis vor. Nur Fußball-EM respektive WM und natürlich Olympia schaffen es, so viele prominente TV-Gesichter auf einer Pressebühne zu versammeln.
Zum größten Sportwettbewerb der Welt, dessen Eröffnungsfeier Sandra Maischberger und HR-Sportchef Ralf Scholt am Freitag, 08. August, ab 13.00 Uhr, in der ARD moderieren werden, gesellt sich 2008 eine kaum zu unterschätzende politische Dimension: Mit Argusaugen wird die internationale Reporterschar das Verhalten Chinas in Bezug auf freie Berichterstattung während der 16 Tage von Peking beobachten. Während sich Chinas Staatsführung - wie immer wieder betont - "unpolitische Spiele" wünscht, geben sich die ARD- und ZDF-Journalisten lustvoll kämpferisch.
"D

ie Diskussion um einen Boykott ist eine theoretische", betont auch ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender die seit den jüngsten Tibet-Protesten immer wieder diskutierte Variante eines gänzlichen Verzichts auf Olympia. "Wir sind nicht dazu da zu boykottieren, sondern zu berichten." Damit diese Berichte möglichst fundiert ausfallen, schicken sowohl ARD als auch ZDF eine im politischen Journalismus deutlich profiliertere Mannschaft nach Peking als zu vergleichbaren Sportwettbewerben der Vergangenheit. Neben Sandra Maischberger bei der Eröffnungsfeier wird Johannes Hano, Chinakorrespondent des ZDF, gemeinsam mit Béla Réthy die Schlussfeier am Sonntag, 24. August, moderieren. Das augenblicklich etwas in den Hintergrund geratene Thema-Doping - gerade in Bezug auf Chinas "

Staatsathleten" ist es hochbrisant - wird in Peking erstmals von einer sechsköpfigen deutschen Sonderredaktion betreut, die Nikolaus Brender ganz unbestechlich "Doping Task Force" nennt.
Sogar Glamour-Reporter wie Reinhold Beckmann haben bereits ihre China-Recherchereise hinter sich. Wobei der Auftrag lautete: Lasse Land, Leute und die besondere Mentalität des umstrittenen olympischen Gastgebers auf dich wirken. "China ist ein faszinierend zwiespältiges Land", berichtet Beckmann von seinen Erfahrungen. "Selbst junge, aufgeklärte Chinesen sind äußerst patriotisch und regen sich enorm auf über die negative Tibet-Berichterstattung im Westen." Stattdessen erzählten sie dem deutschen Reporter vom Minderheitenschutz der chinesischen Regierung: Ethnische Minoritäten seien von der staatlichen Einkindverordnung ausgenommen und erhielten sogar besseren Zugang zu Universitäten
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