Peter Urban: Von Engeln und Truthähnen

(tsch) Beim "Eurovision Song Contest" gibt es dieses Jahr einige Veränderungen. Die Kurzfassung: Statt eines Halbfinales gibt es nun zwei, in denen sich 38 der 43 Teilnehmer qualifizieren müssen. Um Sympathiestimmen zu vermeiden, wurde ausgelost, welches Land in welcher Vorrunde antritt. Zur Abstimmung stehen dabei nur die Titel, die im gleichen Semifinale zu hören waren. Im Finale sind dann wieder alle gleichberechtigt, wenn es darum geht, aus 25 Beiträgen einen Sieger zu wählen. Das heißt: Mehr Arbeit für Peter Urban. Neben den Halbfinals (Di., 20.05., 21.00 Uhr und Do., 22.05., 00.45 Uhr, jeweils NDR) kommentiert der 60-Jährige am Samstag, 24. Mai, 21.00 Uhr, für das Erste den "Eurovision Song Contest" - und das zum zwölften Mal. Wer könnte also besser geeignet sein, um die Neuerungen im Wettbewerb und natürlich die Chancen der No Angels in Belgrad zu analysieren?

teleschau: Herr Urban, haben Sie sich schon mit den Regeländerungen beim "Eurovision Song Contest" vertraut gemacht?

Peter Urban: Ja, und ich finde die Aufteilung in zwei Halbfinals prinzipiell sehr gut. Die Balkanländer, die osteuropäischen Länder und auch Griechenland und Zypern wurden so ausgelost, dass sie nicht im gleichen Halbfinale antreten und füreinander abstimmen können. Erst im Finale, wenn alle 43 Teilnehmerländer wählen dürfen, kann es wieder Sympathiestimmen geben.

teleschau: War diese Neuerung notwendig?

Urban: Um den Unmut in den westlichen Ländern zu beruhigen, ist die Regelung gut. Wenn statt 16 nur noch zehn osteuropäische Kandidaten ins Finale kommen, ist die Chance auf eine bessere Platzierung für westeuropäische Teilnehmer größer. Das ist nicht nur für die Stimmung gut, sondern auch notwendig für den Erhalt dieser Sendung. Wenn es nur noch die "Osteuropäischen Festspiele" wären, nähme man sich selbst die Basis für eine gesamteuropäische Veranstaltung.

teleschau: War die Serbin Marija Serifovic letztes Jahr also nur Siegerin der "Osteuropäischen Festspiele"?

Urban: Dass die Sympathiestimmen je den Gewinner bestimmt haben, glaube ich nicht. Siegertitel bekommen aus allen Ländern, egal ob West oder Ost, viele Anrufe. Es gewann immer ein Lied, das irgendetwas Besonderes hatte. Der serbische Titel ging ins Herz, und der der Hardrockfinnen "Lordi" im Jahr davor in den Bauch und in die Beine. Zum Siegen braucht man etwas Einzigartiges, das nicht nur nach Schablone gefertigt ist. Jedes Mal treten Länder mit Titeln an, die den Vorjahressieger imitieren, weil sie das für ein Erfolgsrezept halten. Das funktioniert aber nicht.

teleschau: Österreich nimmt aus Protest gegen die "Seilschaften" dieses Jahr nicht teil.

Urban: Das ist sehr schade und auch nicht so richtig einsichtig. Nach den Regeländerungen hätten sie sich das noch einmal überlegen sollen. Die Veranstaltung wird zwar in Österreich übertragen, aber das Interesse wird wohl deutlich geringer sein. Das ist vor allem für die No Angels ein Nachteil, denn eigentlich haben sie viele österreichische Fans, deren Stimmen ihnen jetzt entgehen.

teleschau: Auch in Deutschland wurde nach Roger Ciceros 19. Platz heftig über Fairness beim "Eurovision Song Contest" debattiert. Zu Recht?

Urban: Als ich letztes Jahr beim Kommentieren merkte, dass Deutschland keine guten Wertungen bekam, war ich frustriert. Aber im Nachhinein fand ich es nicht so schlimm und die Diskussion überzogen

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