Der Oli, der Mehmet und der Kloppo: Die Fußball-EM (07. bis 29.06.) ist für ARD und ZDF die Eintrittskarte in den jungen Haushalt

(tsch) Bei der Nutzung von Sportrechten schaut ARD-Programmdirektor Dr. Günter Struve stets ganz genau hin. Und lamentiert immer mal wieder gerne in seiner typisch ironischen Art. Boris Becker, so klagte er dermaleinst, scheide immer dann früh aus, wenn die ARD übertrage. 2008 ist Struves Abschiedsjahr als mächtigster ARD-Programmplaner. Es wäre ihm also zu gönnen, dass die deutsche Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft mal dem Trend entgegenwirkt. Denn dann, und nur dann, bei einem Finaleinzug, darf das Erste genauso viele Spiele der Deutschen übertragen wie das ZDF.

31 Partien sind es insgesamt, die in Österreich und der Schweiz zwischen dem 7. und dem 29. Juni ausgetragen werden. ARD und ZDF dürfen sich schon jetzt sicher sein, dass ihnen dieses sportliche Großereignis, dazu kommen ja auch später noch die Olympischen Spiele, die Marktführerschaft in diesem Jahr bringen wird. Doch vor allem sind Live-Sportevents für die öffentlich-rechtlichen Kanäle eine Möglichkeit, ein neues Publikum für sich zu gewinnen. Zumindest vorübergehend. Struve: "Sport bringt uns junge Zuschauer." Und auch der Frauenanteil bei Fußballspielen ist seit der WM 2006 deutlich gestiegen.

Das ZDF hatte bereits damals auf die Bedürfnisse der Jugend reagiert und mit dem Mainzer Trainer Jürgen Klopp einen Experten engagiert, der vornehmlich das junge Publikum begeisterte. Nun zieht auch die ARD ein Ass aus dem Ärmel. Mehmet Scholl, Ex-Profi bei den Bayern, ausgewiesener Fußball- und Musikfachmann (Sportfreunde Stiller u.a.), wird am Vorabend gemeinsam mit Reinhold Beckmann beim ersten Spiel des Tages (18.00 Uhr) ein Duo bilden, das nebst der Fähigkeit zur kompetenten Spielanalyse auch Unterhaltungswert besitzt. Scholl: Ich weiß, woher der Hase weht."

Bei einer Pressekonferenz in Hamburg pries die ARD die Kombination gleich mal als "TV-Revolution" an, was Beckmann aber so gar nicht unterschreiben wollte. "Wir robben uns langsam ran", erklärte er und wies demnach einen Vergleich zum etablierten Duo Günter Netzer und Gerhard Delling weit von sich.

Netzer und Delling werden wie gewohnt die Partien am Hauptabend (Anpfiff 20.45 Uhr) begleiten. Zehn Jahre genau gibt es das preisgekürte Duo nun. Und seitdem es aktiv ist, hat die deutsche Nationalmannschaft bei keinem großem Wettbewerb mehr gewonnen. Auch diesmal reiht Netzer Jogi Löws Team zwar in die Reihe der Mitfavoriten ein. Ganze vorne jedoch sieht er die Italiener.

Neu im ARD-Team ist zudem der Comedian Oliver Pocher (30), ebenfalls zuständig für die junge Zielgruppe. "Ich hab eine Kamera, ich bin akkreditiert und ich hab Zeit - eine tödliche Kombination." Er wird in der Schweiz und in Österreich bunte Beiträge sammeln und zudem bei Waldemar Hartmanns "EM-Club" zu Gast sein, der neunmal aus dem sechsten Stock eines Wiener Hotels, nahe beim Stephansdom, gesendet wird. Zum lockeren Talk beim Bierchen haben sich unter anderem auch Urban Priol, Veronica Ferres, Django Asül und Paul Breitner angesagt.

15 der 31 Spiele überträgt das Erste, darunter diesmal auch das Finale am 29

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