Nicole Heesters: Kleine Branchenkritik einer Grande Dame

(tsch) "So pünktlich, das ist gut." Da ist es auch gleich, das sehr Disziplinierte und ein wenig Gestrenge, das Nicole Heesters als Ruf vorauseilt. Man hat es eindeutig nicht nur mit einem Profi, sondern auch mit einer Respektsperson zu tun, wenn man bei der Dame mit der kräftigen, tiefen Stimme in Hamburg anruft. Seit über 50 Jahren steht die vielfach ausgezeichnete Theaterschauspielerin auf der Bühne. Auf dem Bildschirm lässt sie sich nur selten sehen - in sorgsam ausgewählten Rollen. "Das muss hinhauen, denn wenn einem so viele Leute zuschauen, und man ist nicht gut, ist das nicht förderlich für das, was man Karriere nennt." Bedenken, die Nicole Heesters bei Matti Geschonnecks TV-Drama "Zeit zu leben" (Mo., 28.04., ZDF, 20.15 Uhr) und Xaver Schwarzenbergers Familiengeschichte "Copacabana" (Mi., 14.05., ARD, 20.15 Uhr) nicht zu haben braucht.

"Ich finde Xaver Schwarzenberger einen Meister in diesen Stoffen: Es sind keine großen Geschichten - sondern Alltag. Er hat dafür einen sehr realen und einfachen Blick", schwärmt Nicole Heesters. "Es ist eine große Fähigkeit, das nicht harmlos wirken zu lassen. Sie wird nur selten erkannt, weil sie eben nicht mit Einfällen überladen und 'auf Kunst' gefilmt wird." Wolfgang Rademann hingegen holte sich eine Absage bei der Tochter von Johannes Heesters. "Im 'Traumschiff' kommt man rum als Schauspieler, aber es ist keine Aufgabe für mich", sagt die Vollblutschauspielerin, die von der "Maria Stuart" bis zu Shaws "Die heilige Johanna" immer alles gab auf den Bühnen von Wien bis Berlin - und es bis heute tut. Im Moment ist sie in der deutschen Hauptstadt gleich in zwei Stücken zu sehen: Taboris "Mutters Courage" im Renaissance Theater und Shakespeares "Richard III" am Berliner Ensemble.

In Geschonnecks Drama "Zeit zu leben" spielt Nicole Heesters eine Frau, die sich gemeinsam mit ihrem Mann dazu entschließt, dem von Krankheit gezeichneten Leben selbst ein Ende zu setzen - mit Hilfe einer Sterbehilfe-Organisation. In Schwarzenbergers Film "Copacabana", der in der Umgebung von Leipzig spielt, konnte sich die 71-Jährige für die Rolle der Maria begeistern. Sie feiert im Kreise ihrer Lieben ihren 35. Hochzeitstag - während ihr Geliebter auf eine Entscheidung wartet: "Es war eine Herausforderung, geschmackvoll zu spielen, wie eine Frau nach so langer Zeit eigentlich von ihrem Mann weg will, weil sie von dieser Ehe enttäuscht ist. Auch das ist eine heikle Rolle." Den Ehemann spielt Bruno Ganz ("Der Untergang"). Der Schweizer stellt sich ebenfalls nur selten vor die Fernsehkamera, und dass Nicole Heesters seine Partnerin sein würde, soll in diesem Fall dazu beigetragen haben.

Nicole Heesters ist seit 44 Jahren glücklich mit dem Bühnenbildner Pit Fischer (unter anderem für "Wetten, dass ..?") verheiratet. Wie man so etwas schafft? "Es gehört sicher auch Glück dazu - und jeden Tag von vorne anfangen." Die Schauspielerin verwendet gerne die verallgemeinernde Formel "man" anstelle eines "ich" oder "wir". Eine gewisse Distanz wird gewahrt. Vor ihre Privatsphäre hält Nicole Heesters den Schutzschild der knappen Sätze. Mit Leidenschaft jedoch spricht sie über ihren Beruf, den sie, stünde sie heute noch einmal als junge Frau vor der Entscheidung, möglicherweise nicht mehr wählen würde - wenngleich sie sich keinen anderen vorstellen kann.

"Für mich hat sich der Beruf nicht verändert, aber objektiv betrachtet ist er ziemlich willkürlich geworden, nicht? Es ist heute ganz schnell jemand 'Schauspieler'

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