Markus Lanz: Lanz und die Relevanz

(tsch) Dank "Derrick", sagte Markus Lanz einmal, habe er als gebürtiger Südtiroler Hochdeutsch zu sprechen gelernt. Er ist heute noch stolz darauf, den Theologen und ZDF-Mann Peter Hahne beim "großen Bibel-Test" im Zweiten "abgehängt" zu haben - und er hat die Floskeln des ZDF-Flaggschiff-Kapitäns verinnerlicht ("Es ist ja so' - würde Gottschalk jetzt sagen"). Endlich, so scheint es fast, ist auch er beim ZDF angekommen. Hinter dem Wechsel des langjährigen RTL-Moderators ins öffentlich-rechtliche Fernsehen steckt für den 39-Jährigen auch die "Frage nach der Relevanz". Die stellte er im Hinblick auf TV-Inhalte, aber auch ein bisschen für sich selbst.

"Ich glaube, die Zeit der reinen Bespaßung ist vorbei", konstatiert Lanz angesichts der sich verändernden Medienlandschaft. "Wenn Fernsehen darüber nicht hinausgeht, kann YouTube das auf lange Sicht besser. Das Fernsehen hat eine Menge Arbeit vor sich, sich davon abzugrenzen. Wir müssen zusehen, die Dinge anders zu bewerten." Und der einstmalige Moderator und Redaktionsleiter des Boulevard-Magazins "Explosiv" prognostiziert: "Die nächste Dekade gehört eher dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Man biedert sich nicht mehr an, sondern geht andere, eigene Wege. Was Innovationen angeht, sehe ich die Stärken dort." Lanz wollte weg von Quotendruck und Werbeeinnahmen-Rechenspielen, hatte "große Lust auf einen Systemwechsel".

Nun musste der neue Mainzelmann Vergleichen mit Kerner bis Gottschalk standhalten und sich in einer Wohltätigkeits-Veranstaltung bewähren. Die Geburtstags- und Spenden-Gala für Karlheinz Böhm Mitte April war zwar in der Sache höchst relevant, für einen neuen Moderator aber vielleicht ein eher undankbarer Einstieg. Geradezu nach alter Schule führte Lanz angemessen durch die vielfältigen Schauplätze und Gastauftritte der Sendung. Zwei weitere Benefiz-Shows sollen folgen, wenngleich das Zweite den charmanten Gastgeber nicht als "Geldeintreiber" vom Dienst engagiert haben will. Lanz, Typ einfühlsam-engagierter Zuhörer, der aber auch verblüffend gut Falco imitieren kann, dürfte zwar Schlag bei den Schwiegermüttern haben - aber ebenso bei deren Töchtern. Und die hat das ZDF derzeit wohl eher im Visier ...

Richtig relevant wird's für Lanz am Dienstag, 03. Juni, wenn er sein eigenes, gleichnamiges Talk-Format vorstellt. Mit 22.45 Uhr hat er damit zwar den Sendeplatz von Johannes B. Kerner während dessen Sommerpause inne, und auch die "JBK"-Redaktion ist involviert, aber: "Es ist deutlich weniger Promi-affin. Es gibt sehr viele ganz normale Menschen, die tolle Geschichten jenseits der Polittalks zu erzählen haben." In jeder Sendung soll nur ein Thema diskutiert werden, dafür ausführlich. Für den ehemaligen "Explosiv"-Mann bedeutet das mehr "Freestyle" und "Gehirnakrobatik": "Ich glaube, dieses Dialektische ist etwas, das mir liegt. Das merkte ich, als ich das Buch über Horst Lichter schrieb. Es war ein dermaßen anderes arbeiten als ich das bisher gewohnt war. So möchte ich gerne weitermachen."

Die Zusammenarbeit mit dem ZDF-TV-Koch selbst kann sein Biograf auf anderer Ebene fortsetzen, wenn ab Freitag, 06. Juni, "Kerner kocht" zu "Lanz kocht" wird

1 · 2 · 3

Tageshoroskop bei Yahoo!
 
Lifestyle RSS Feed
Lifestyle auf mein Yahoo!
Die häufigsten Fragen zu RSS 
 
 
Copyright © 2008 Yahoo! Alle Rechte vorbehalten
Wir über uns - Hilfe - Jobs@Yahoo! - Yahoo! Services - Datenschutz - AGB