Mahnende Bilder vom Ende der Welt: Tierfilmer Andreas Kieling war fürs ZDF bedrohten Tierarten auf der Spur ("Kieling - Expeditionen zu den Letzten ih

(tsch) Mal rutscht er bäuchlings durch den Schlamm, völlig durchnässt und übermüdet, mal harrt er stundenlang bewegungslos in der Kälte aus - und das alles nur für die eine perfekte Aufnahme. Naturfilmer Andreas Kieling ist dafür bekannt, enorme Strapazen auf sich zu nehmen, um gefährlichen oder extrem scheuen Wildtieren mit der Kamera ganz nah zu kommen. Der Lohn für seine Ausdauer sind faszinierende und einzigartige Bilder. Viele kennen ihn dank seiner spektakulären Riesengrizzly-Nahaufnahmen auch als "Bärenmann". Für das ZDF begab er sich auf die aufwendige Suche nach seltenen Tierarten, die kurz vor dem Aussterben stehen. Er spürte unter anderem riesige Salzwasserkrokodile in Australien auf, durchkämmte den kanadischen Regenwald nach blauen Bären und heftete sich in Westindien an die Fersen des Asiatischen Löwens. Nun zeigt das ZDF die zweiteilige Dokumentation "Kieling - Expeditionen zu den Letzten ihrer Art " (Di., 13.05. und 20.05., 20.15 Uhr). Im Interview berichtet Kieling unter anderem von einem Giftschlangenbiss, der ihn fast das Leben kostete.

teleschau: Was ist das für ein Gefühl, Auge in Auge mit einem Riesenkrokodil zu tauchen?

Andreas Kieling: Ich machte das nur deshalb, weil wir ein Krokodil fanden, das vor mir keine große Scheu hatte. Man sieht mich auch unter Wasser mit dem Tier. Das sind natürlich starke Bilder und da ist auch der Gänsehauteffekt dabei.

teleschau: Haben Sie keine Angst, dass die Aktion schief gehen kann?

Kieling: Ich hatte eine schlaflose Nacht davor, war am nächsten Morgen auch total nervös, was nicht gut ist, denn Tiere merken das. Sie merken, dass man nicht selbstbewusst und souverän ist. Diese innere Ruhe ist auch der Grund, warum ich den Job bisher unbeschadet überstanden habe. Ich lasse ohnehin immer die Tiere entscheiden, wie nah sie mir kommen wollen.

teleschau: Was trieb Sie auf Ihrer beschwerlichen Suche nach den "Letzten ihrer Art" an?

Kieling: Ich bin neugierig auf Regionen der Welt, die völlig abgelegen sind, in denen der Mensch Schwierigkeiten hat, zu überleben. Ich habe auch oft das Gefühl, dass der Mensch da gar nicht hingehört. Außerdem ist es eine Leidenschaft von mir, Tieren auf die Spur zu kommen und sie den Zuschauern zu präsentieren. Ähnlich wie bei Kriegsfotografen, die meinen, sie müssten unbedingt mitten rein ins Gefecht. Die liegen dann flach am Boden mitten im Getümmel und machen ihre Fotos. Das hat auch ein bisschen was mit Verrücktheit zu tun.

teleschau: Sind Sie froh, wenn Sie sich nach den aufreibenden Expeditionen in Ihrem deutschen Zuhause erholen können?

Kieling: Der Schnitt und die Abwicklung der Postproduktion kostet mich mehr Nerven, als wenn ich irgendwo einen harten Dreh in der Wildnis habe. Ich bin gerade aus der kanadischen Arktis zurückgekommen. Es war extrem kalt. Aber ich habe mich dort oben noch erholt. Es gab keine Ablenkung, keine Post, kein Telefon.

teleschau: Mussten Sie für den Sendeplatz, dienstags um 20.15 Uhr, lange kämpfen oder stießen Sie auf offene Türen?

Kieling: Meine Doku ist nicht nur der nackte, klassische Naturfilm. Die Zuschauer wollen auch eine Person, ein Gesicht dahinter. Mich begleitet immer ein zweiter Kameramann, der meine Reaktionen einfängt. Das kann auch mal eine Träne oder ein Fluchen sein. Es gab zum Beispiel einen Moment, als ich auf dem Virunga-Vulkan in Zentralafrika saß und von den Berggorillas dermaßen berührt war, dass ich geheult hab. Da blickte ich runter in dieses riesige afrikanische Tal und sah nur Zuckerrohrfelder und Bananenplantagen

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