Wenn Lebensträume fliegen lernen: Die tollkühne Regisseurin und der Senior in der fliegenden Kiste ("Über allen Horizonten", Sa., 10.05., 18.00 Uhr, A
(tsch) "Es waren acht furchtbare, finanziell desaströse Jahre. Ich habe mich ständig gefragt: Haben alle anderen Recht? Bin ich verrückt?" Aber Lara Juliette Sanders strahlt, während sie so spricht. Und sie würde das alles wieder tun. Vor neun Jahren brach die zierliche Münchnerin, die davon träumte, Filme zu machen, aus ihrem Alltagstrott aus, setzte sich ins Flugzeug und traf auf einer karibischen Insel den heute 82-jährigen Daniel. In dem Piloten, der kompromisslos seinen letzten Traum verwirklichen wollte, fand sie nicht nur einen Seelenverwandten, sondern auch den Helden ihres ersten Dokumentarfilms "Über allen Horizonten", den ARTE nun zeigt (Sa., 10.05., 18.00 Uhr).
Es klingt fast zu verrückt, um wahr zu sein, was Lara Juliette Sanders erzählt. Aber noch eher klingt es zu verrückt, um erfunden zu sein: Bis zu jenem Tag im November 1999 führte sie ein Leben, von d

em vermutlich andere Leute träumen: Sie war verheiratet mit einem Musiker, hatte einen wichtigen Job beim Fernsehen. Doch für Lara Juliette Sanders fühlte sich das nicht richtig an.
"Es war wie ein goldener Käfig. Ich war innerlich wie tot." Als sie eines kalten Morgens wieder einmal auf dem Weg zur Arbeit in der Straßenbahn saß, sei der Moment gekommen für "eine wahnsinnige Aktion": Chef anrufen, kündigen und direkt weiterfahren zum Flughafen. "Ich wusste, wenn ich nur eine Sekunde lang darüber nachdenke, ist es vorbei." Also beschloss sie, den zehnten Flug auf der Anzeigentafel zu nehmen, und hoffte, das Ziel möge nicht einfach nur Hamburg sein. Es war die Karibik. "Ich versuchte noch, meinen Mann, meine Eltern, Freunde anzurufen,

aber ich konnte niemanden erreichen - das war wahrscheinlich gut so."
In ihrem Wintermantel habe Lara Juliette Sanders viele Stunden später auf Dominica gestanden, einer kleinen Insel zwischen Guadeloupe und Martinique. Und es war alles andere als traumhaft. "Da gab es einfach nichts. Nur wunderschöne Natur. So war ich umso mehr konfrontiert mit mir selbst." Dennoch hatte Lara Juliette Sanders ein Ziel: "Ich glaube nicht an Zufälle. Ich wusste, dass der Flug mich in ein neues Leben bringen wird. Meine Vorstellung war: Ich komme an und finde das Thema für meinen ersten Film." Na bitte: Schon im Hotel fand die Ausreißerin eine Broschüre über das Reservat der Kariben-Indianer! Doch das war es noch nicht ...
"Ein paar Tage später

fuhr mir ein sehr eigenartiger, uralter Mann mit seinem kleinen, klapprigen Auto fast über die Füße." Daniel Rundstroem. Der schlaksige Typ, optisch eine Mischung aus Daniel Düsentrieb, Peter Lustig und Clark Gable, hat zu diesem Zeitpunkt bereits ein abenteuerliches Leben hinter sich. Der gebürtige Schwede war unter anderem in den 50er-Jahren Privatpilot des Königs von Jemen. Das gepflegte Oberlippenbärtchen lässt noch immer den König der Lüfte von einst erahnen.
Lara Juliette Sanders ist auf Gold gestoßen: Stapelweise lagert Daniel zu Hause Filmrollen mit Aufnahmen von damals, die später Platz in "Über allen Horizonten" finden sollen. Doch damit nicht genug: 1992 zog er nach Dominica, in ein kleines Häuschen mitten im Dschungel, um dort seinen letzten Traum zu verwirklichen. Er zeigt der deutschen Träumerin "das Geheimnis in seiner Garage": Daniel will selbst ein kleines Flugzeug bauen und damit beim "Sun 'n Fun" Flugfestival in Florida starten
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