"Kopfgeld - Einer muss bezahlen" - Tatsächlich unberechenbar

(tsch) Plötzlich, an einer Straßenkreuzung, glaubt Tom Mullen nicht mehr daran: Sein entführter Sohn, dessen ist sich der vermögende Industrielle jetzt sicher, ist tot. Die Geschichte, bis zu diesem Zeitpunkt eher konventionell gehalten, erhält einen neuen Anstrich. Denn Mullen setzt die vier Millionen Dollar, die er als Lösegeld zahlen wollte, jetzt für denjenigen als Belohnung aus, der ihm den Kidnapper seines Sohnes bringt - tot oder lebendig. Die vox-Wiederholung "Kopfgeld - Einer muss bezahlen" ist mehr als ein spannender Actionthriller. Regisseur Ron Howard ("A Beautiful Mind", "The Da Vinci Code - Sakrileg") nimmt sich Zeit für einen Einblick in die Psyche aller Beteiligten.

Denn Tom Mullen (Mel Gibson) ist selbst kein Kind von Traurigkeit. Auf einem Nebenschauplatz erzählt der Film von seinen dunklen Geschäften. Trotzdem: Er ist die Figur, mit der sich der Betrachter anfreunden wird. Ein humorvoller und stinkreicher Familienvater, dem plötzlich das Kind aus den Händen gerissen wird. Gibson zur Seite steht - wie schon in "Brennpunkt L.A." und später auch im vierten Teil der "Lethal Weapon"-Reihe - Rene Russo, die sich diesmal mit der ziemlich aktionslosen Darstellung der besorgten Ehefrau zufriedengeben muss.

Kein dankbarer Part für die flexible Darstellerin, doch kommt ihm für das Gesamtverständnis der Story entscheidende Bedeutung zu. Denn Mullens Idee, ein Kopfgeld auf die Entführer auszusetzen, entstand im Alleingang. Geht's schief, trägt er möglicherweise Schuld am Tod seines eigenen Kindes Sean, übrigens gespielt von Brawley Nolte, Sohn des Schauspielers Nick Nolte.

Es ist Ron Howards Verdienst, dass sich der Zuschauer hier seiner Sache über mehr als zwei Stunden lang nicht sicher ist. Irgendwie scheint es zweifelhaft, dass auch diesmal das Schema "Am Ende siegt das Gute, und das Böse stirbt" aufrecht erhalten werden kann. Tatsächlich entwickelt "Kopfgeld" eine eigene Spannungsform fernab eingeführter Spielregeln und bietet mit Gary Sinise als Ex-Cop Jimmy Shaker einen adäquaten Gegenspieler, der in seinen Taten unberechenbar ist. Der Film setzt sich intensiv mit den Motiven und der Psyche der Entführer auseinander. Schreckliche Minuten für den Betrachter, wenn er plötzlich gar Sympathie für den einen oder anderen von ihnen hegt.
Ausstrahlung am 15.05.2008 um 20:15 Uhr auf vox Autor: Bernd Fetsch/teleschau - der mediendienst
Bilder: vox

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