James Stewart: Hollywoodstar auf den zweiten Blick
(tsch) Eigentlich entsprach er so gar nicht dem geschmeidigen Gentlemen-Typus, der Mitte der 30er-Jahre die großen Leinwände dominierte. James Stewart war kein cooler Held und Herzensbrecher wie etwa Errol Flynn, Gary Cooper und Clark Gable. Stattdessen überzeugte er durch ein bescheidenes Auftreten und sein überragendes Spiel. Genau diese Attribute waren es auch, die "Jimmy" zu einer glanzvollen Karriere verhalfen. Bis zu seinem Tod 1997 wirkte Stewart in 70 Hollywoodproduktionen mit und blieb stets seinem Image als aufrechter, untadeliger Amerikaner treu. Am 20. Mai wäre der Pennsylvanier 100 Jahre alt geworden - ein guter Grund, seinen Erfolg im TV wieder aufleben zu lassen.
"Halt den Mund und hau ab!", forderte das Publikum den Sohn eines Eisenwarenhändlers an einer Studentenbühne in Princeton auf. Aber wohin? Natürlich hätte sich Stewart gerne in den Architektenberuf ge

stürzt, doch sein Studium fiel schließlich den mangelnden Leistungen im Fach Mathematik zum Opfer. So kehrte der 1,92-Meter-Schlaks der Elite-Uni den Rücken und versuchte am Broadway Fuß zu fassen. Doch dem dürren, jungenhaft wirkenden Stewart wurden aufgrund seiner kargen Gestik und seiner schleppenden Sprache eher Trottel- denn Traumrollen zugeteilt.
Nach seiner Entdeckung durch den Regisseur Frank Capra, der 1938 keinen anderen für die Hauptrolle in "Lebenskünstler" wollte - er erkannte sofort den hintergründigen Charme des bodenständigen Schauspielers - fasste James Stewart in Hollywood Fuß. Bald schon erhielt er für seine Darstellung in Capras Gesellschaftssatire "Mr. Smith geht nach Washington" seine erste Oscar-Nominierung. Er spielt einen naiven, unbescholtenen Bürger, der plötzl

ich in den Senat berufen wird und dort der allgegenwärtigen Korruption begegnet. Eine Rolle, wie für ihn geschaffen.
Einstreichen konnte er den Goldjungen schließlich 1941 als bester Schauspieler in "Die Nacht vor der Hochzeit", so überzeugend hatte er den aufdringlichen Reporter Macaulay Connor verkörpert. Besonders oft wurde Stewart in dieser Zeit für pfiffige Screwball-Komödien wie "Rendezvous nach Ladenschluss" (Dienstag, 20. Mai, 00.00 Uhr, SWR-Fernsehen) engagiert, die 1998 mit Tom Hanks und Meg Ryan neu verfilmt wurde. Mit dem Zweiten Weltkrieg erfuhr seine Traumkarriere allerdings eine jähe Zäsur - der patriotische Stewart wurde in die Armee berufen und stieg sogar bis zum Brigade-General der United States Air Force auf.
Obwohl die Hollywoodlegende daran zweifelte, nahm ih

re Karriere nach dem Krieg wieder volle Fahrt auf. Vielmehr sollten die Höhepunkte seines Schauspieler-Daseins in diesen Jahren erst noch folgen, wenn Stewart in harten Western und düsteren Suspense-Thrillern seinen Mann stand. Die Bescheidenheit blieb ihm ein Leben lang erhalten. "Ich denke, die Leute können sich gut mit mir identifizieren - während sie davon träumen, John Wayne zu sein", pflegte er zu scherzen.
Den zweifelnden Blick in die Ferne gerichtet, die Stirn in Falten gezogen: Man sah James Stewart seine Besorgnis an, wenn er als Anwalt "Hawkins" der Wahrheit auf der Spur war, man spürte seine moralische Integrität, wenn er als schüchterner Liebhaber die (Film)-Frauen in seine Arme schloss
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