Gabriela Maria Schmeide: Gutmütig, aber mit Wucht

(tsch) Seit Regisseur Andreas Dresen die Theaterschauspielerin Gabriela Maria Schmeide für seine Filme "Die Polizistin" und "Halbe Treppe" verpflichtete, hat die blonde Frau aus Bautzen ein bestimmtes Image weg: das der gutmütigen Ossi-Frau, die vom Leben gebeutelt wurde. Kaum eine Darstellerin in Deutschland vermag weibliche Underdog-Rollen besser zu spielen. Dass die heute in Bremen lebende Klasse-Mimin jedoch auch anders kann, zeigt sie in der Tragikomödie "Patchwork" (Mittwoch, 21.05., 20.15 Uhr, ARD). Mit geradezu umwerfender Wucht verkörpert Gabriela Maria Schmeide eine allein erziehende Mutter Anfang 40, die noch immer von der großen Liebe träumt und gegen alle Widrigkeiten eine neue Familie aufbauen möchte.

teleschau: Haben Sie persönliche Erfahrungen in Sachen Patchwork-Familie?

Gabriela Maria Schmeide: Nur aus dem Freundes- und Bekanntenkreis. Ich selbst stamme aus einer ganz normalen Familie mit vier Kindern, die allerdings vom Vater verlassen wurde, als ich kurz vorm Abitur stand. Mein Vater wollte in den Westen flüchten, konnte aber meine Mutter nicht zum Mitkommen bewegen. So hat er sich eines Tages überraschend für uns alle ohne Vorankündigung abgesetzt.

teleschau: Das hat Sie aber in Ihrer Bindungssicherheit nicht erschüttert. Mit Ihrem Mann sind Sie schon sehr lange zusammen ...

Gabriela Maria Schmeide: Stimmt, seit über 20 Jahren. Wir sind aber auch durch Höhen und Tiefen gegangen. Kennengelernt haben wir uns am Theater in Bautzen. Er war Elektriker und arbeitete dort als Beleuchter, später zogen wir wegen meiner Theaterengagements nach Berlin und Bremen, wo wir nun auch schon seit 14 Jahren leben.

teleschau: Und das in ungewöhnlicher Konstellation: Ihr Partner gibt den Hausmann, kümmert sich um die Tochter, Sie verdienen das Geld...

Gabriela Maria Schmeide: Er ist die stabile Basis, und ich ziehe hinaus in die Welt (lacht). Natürlich ist das auch nicht immer einfach, aber grundsätzlich lebt er seit 20 Jahren ziemlich zufrieden mit dieser Rolle. Er kümmert sich sehr liebevoll um unsere Tochter und ist ansonsten sehr beliebt, weil er zwei goldene Hände besitzt und Freunden wie Nachbarn Küchen aufbaut, Fließen verlegt oder die Elektrik erneuert. Mein Mann hat ein sehr ausgefülltes Leben und sitzt keineswegs nur als männliches Heimchen zu Hause.

teleschau: Mit welchen Problemen werden Patchwork-Familien konfrontiert, die es bei normalen Familien nicht gibt?

Gabriela Maria Schmeide: Ich denke, das größte Problem ist der Umgang der Ex-Partner miteinander. Die alten Beziehungen wirken sich zwangsläufig auf die neuen aus. Sei es, dass Kinder gegen die neue Familie ausgespielt werden oder sich die ehemaligen Partner in Bezug auf die neuen Partner manipulieren - das alles, gilt natürlich für den Fall, dass eine Patchwork-Familie eher schlecht funktioniert. Es gibt aber auch viele positive Beispiele, wo solche Konstellationen sehr harmonisch zusammenleben. Insgesamt ist die Lebensform Patchwork mittlerweile so präsent in unserer Gesellschaft, dass sie schon fast als normal gilt.

teleschau: Sind Kinder mit einem Elternteil außerhalb der Familie nicht das größte Problem im Patchwork, weil sie eine echte Zerrissenheit aushalten müssen?

Gabriela Maria Schmeide: Ein Kind liebt seinen Vater oder seine Mutter, auch wenn die vielleicht fortgegangen sind und die Familie sitzen gelassen haben

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