Frühlingsgefühle zwischen Schober und Schloss: Paarungszeit im deutschen Fernsehen: Aber wie lange?
(tsch) Lange erschienen Kuppel- und Liebesshows à la "Herzblatt", "Traumhochzeit" oder "Love Stories" skurrile Relikte aus vergangenen, noch schlechteren Fernsehtagen zu sein. Abgesehen vom Sat.1-Dauerbrenner "Nur die Liebe zählt" (Kai Pflaume hilft Sonntagabend immer noch verzweifelt Liebenden auf die Sprünge), hatte das Paarungsfernsehen Sendepause. Und das war eigentlich ganz gut so. Doch vielleicht nur deshalb, weil Fernsehen eben zyklisch funktioniert, oder weil gerade Frühling ist, vielleicht, weil es zurzeit so viele Singles gibt wie nie, Flirtportale im Internet Rekordumsätze machen und im Land andererseits eine neue Lust auf Zweisamkeit und Ehe regiert, oder einfach nur, weil "Bauer sucht Frau" so verdammt erfolgreich lief, werden sie nun wiederbelebt: die eher belustigenden Unterhaltungsdinosaurier aus einer grauen TV-Vorzeit, in der die Sender die naturgegebene Bindungswilligkeit des Menschen in quotenbringende Formate umzusetzen trachteten. Kuppeln, Flirten, Daten, Heiraten - all das hat ziemlich überraschend Hochkonjunktur bei den Programmmachern.
Warum, so fragt man sich, wenn doch selbst "Herzblatt" nach zig Wiederbelebungsversuchen (lief zuletzt im Bayerischen Fernsehen) vor zwei Jahren mangels Quote und Innovation endgültig eingestellt wurd

e? Die Antwort ist vielleicht ganz einfach: In "Herzblatt" wollte kaum jemand wirklich den Partner fürs Leben finden, da gaben sich zu oft gecastete Fakes die Klinke in die Hand. - In knapp 20 Jahren "Herzblatt" haben nur zwei Paare geheiratet. Eine Zeit lang - vor allem, weil eine Weile sonst nichts Vergleichbares lief - hatte das einen gewissen Reiz, bald wurde es aber langweilig. Und wer oberflächlich-witzige Fake-Datingshows mit attraktiven jungen Menschen mag, ist bei MTV sowieso deutlich besser aufgehoben. Was der Zuschauer in Deutschland wirklich sehen will, ist: "Bauer sucht Frau", also echter Bauer sucht echte Frau fürs echte Leben. Dann wird's offenbar verlässlich was mit der Quote - auch wenn das, wie der "Spiegel" ganz zu Recht schrieb, "Fernsehen wi

e im letzten Jahrhundert" ist. Im Durschschnitt 7,5 Millionen Zuschauer sprechen für sich.
Was jetzt kommt, kennen wir: Um auf einen vermeintlich noch eine ganze Weile unter Volldampf fahrenden Trendzug aufzuspringen, wird erfunden, kopiert und hier und da auch gehudelt, was das Zeug hält, und es werden die alten Fehler wieder gemacht. Im Grunde war ja auch die RTL-Sensation "Bauer sucht Frau" (25 Prozent Marktanteil in der jungen Zielgruppe!) so neu nicht. "Land & Liebe" läuft schon seit 2005 im NDR-Fernsehen. Beiden Sendungen diente das britische Format "The Farmer Wants A Wife" aus dem Jahr 2001 als Vorlage. Einen weiteren Ableger pflanzte sich RTL gleich mal selbst ins Programm. "Schwiegertochter gesucht" (19,1 Prozent Marktanteil) unterschied sich im

Wesentlichen nur dadurch von der Heuschober-Variante mit Inka Bause, dass Ladenhüter anderer Berufsgruppen unter den Hammer kamen.
Die Sender übertreffen sich im Kreieren neuer Flirt-Dokus und Shows, dieses Virus macht auch vor dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen nicht Halt. Schon gibt es den ersten gewaltigen Fehlgriff zu bejammern: "Ich weiß, wer gut für dich ist!" war vor allem für die ARD-Quoten so gar nicht gut. Mit einem Konzept, das ohnehin eher nach ProSieben klingt, warf der einstige "Herzblatt"-Sender direkt nach dem "Bruce"-Flop seine neue Hoffnung für den Vorabend ins Programm. In der Sendung organisierten vier Freunde, Bekannte, Verwandte oder Arbeitskollegen jeweils ein Date für einen Single. Die ARD hatte gut 40 Folgen angekündigt
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