"Wenn der Topf in der Mitte steht, und jeder der sechs Köche sein persönliches Gewürz, seinen Einfluss, seine Inspiration reinbringt, kommt dadurch unser Sound zustande. Das macht uns aber auch sehr vielseitig. Wenn da immer ein Big Boss ist, der alle Nummern schreibt, und der mal ein kreatives Loch hat, dann steht man als Band schnell mal da."

Die Charakteristik der Musik definiert sich auch über die Produktion: "Wir sind immer auf der Suche nach dem für uns perfekten Sound. Bis jetzt sind wir zufrieden. Von der Wärme her, schöne weiche Bässe unten, oben nicht so schrill, dass einem die Ohren wegfliegen. Wir machen auch nicht unbedingt bei dem Lautheitswahn mit, der immer mehr herrscht. Irgendwann geht Dynamik verloren, ist alles zusammenkomprimiert, das ist nicht mehr schön". Der Sänger, Gitarrist, Akkordeonist und Perkussionist weiß sich nicht nur mit dieser Aussage von einer bestimmten Szene abzugrenzen. "Das Genre heißt halt Mittelalter-Rock. Aber wenn man es genau betrachtet, machen wir Folkrock mit Fantasy-Texten. Wir haben ja kein historisches Material verwendet oder uns in Bibliotheken herumgetrieben." Auch wenn Ludwig Uhlands Gedicht "Die drei Lieder" Pate für ein Stück auf "Anderswelt" stand: Spaß kommt vor Wissenschaft, Fantasie vor Quellensuche. Im Interview fällt immer wieder das Wort "schön". Und Lindner geht noch weiter: "Wir sind nicht authentisch, sondern romantisiert und idealisiert. Die Pest und die Kriege, das wenige Geld und die kurze Lebensdauer, da war viel Schlimmes. Das will ja keiner hören. Wir reden hier von schönen Geschichten. Hier und da wird bei uns auch mal einer umgebracht, aber eher so heldenhaft." Siegfried eben, und nicht der arme Teufel. "Die Anderswelt ist schön. Sie ist zum Abtauchen, das Pendant zum grauen Alltag. Eine Flucht im positiven Sinne. Für eine Zeit sich vorstellen, jemand anderes zu sein, sich vielleicht zu verkleiden und anders zu schminken. Mit dieser frischgewonnen Kraft aus der Anderswelt kann man dann wieder zu seinem Büroplatz in der Bank rennen."

Dass sich Schandmaul jedoch nicht ausschließlich in einer Anderswelt aufhalten, zeigt unter anderem ihre Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Musiktherapieforschung (DZM): "Der Ursprung des Ganzen war, dass man als Band immer Anfragen kriegt, ob man auf diesem oder jenem Benefiz-Konzert spielen könnte. Das sind alles ganz tolle Sachen, aber wir wollten schon was eigenes machen. Also irgendwas, wo wir uns richtig informieren, und nicht einfach irgendwo plump hinstehen

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