Die Deutschen, die von vornherein im Finale stehen, dürfen übrigens nur im ersten Halbfinale anrufen, was die unchristliche Sendezeit der zweiten Runde erklären dürfte.
Ob sich die "Eurovision"-Trilogie auf die Einschaltquoten auswirken wird, ist ungewiss. Jedenfalls verbannte die ARD die Halbfinals ins Nachtprogramm des NDR, womöglich, um Ermüdungserscheinungen zum großen Finale vorzubeugen. Zwar waren die Zuschauerzahlen in den letzten Jahren auf stets hohem Level, aber so unberechenbar wie die Platzierung der deutschen Beiträge an sich. So sahen sich Roger Ciceros Auftritt 7,38 Millionen Deutsche an, davon 3,85 Millionen aus der werberelevanten, jungen Zielgruppe. Auch das Gracia-Debakel im Jahr 2005 erzielte ähnliche Quoten. Texas Lightning lockten dazwischen 10,49 Millionen Menschen vor den Fernseher (46,2 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49 Jährigen). Mit Max Mutzke fieberten 2004 sogar 11,49 Millionen Zuschauer mit, der Marktanteil bei den Jüngeren lag damals bei phänomenalen 56,1 Prozent. Sollten die Zuschauer dem Berg-Tal-Berg-Tal-Muster treu bleiben, wären dieses Mal wieder hervorragende Quoten zu erwarten.
Aber zurück zur Musik: Das Gros der Teilnehmer hat sich auch dieses Jahr dem Pop verschrieben. Für den Wiedererkennungswert der No Angels könnte es ein Vorteil sein, dass sie als einzige Girlband starten. Hübsche Solokünstlerinnen mit einfach gestrickten Nummern überwiegen. Andorra, Slowenien, Ukraine, Armenien und noch viele andere setzen auf dieses Konzept - und erscheinen damit austauschbar. Lediglich die maltesische Sängerin Morena sticht hervor, aber auch nur, weil sich der Hörer fragt, warum sie ausgerechnet das russische Nationalgetränk "Vodka" besingt. Spekuliert da jemand auf Sympathiepunkte? Die Griechen überraschen hingegen mit lupenreinem R'n'B, was daran liegen könnte, dass Interpretin Kalomira eigentlich aus den USA stammt.
Auch andere Länder werden wagemutiger in der Auswahl ihrer Repräsentanten. Mazedonien schickt eine Rap-Nummer ins Rennen, Bulgarien setzt auf eine durchaus ohrwurmtaugliche Elektro-Reggea-Mischung. Dass die Finnen eine Metalband nach Belgrad schicken, dürfte nach Lordi keinen mehr überraschen. Dafür verblüfft "Eurovision"-Neuling Aserbaidschan. Für ein gelungenes Debüt setzt die Kaukasusrepublik nämlich buchstäblich Himmel und Hölle in Bewegung: Als Engel und Teufel stehen sich die beiden Sänger Elnur Huseynov und Samir Javadzade bei der Performance der geigenlastigen Rocknummer "Day After Day" gegenüber - und werden als Favoriten für den Sieg gehandelt
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