Doch der kanadische Ex-Berliner toppt das Ganze, zäumt dabei das Pferd aber von der anderen Seite auf und findet dafür treffliche Worte.

"Natürlich geht es beim Ergebnis um Emotion, aber doch nicht im Entstehungsprozess. Der ist eine militärische Operation für mich, Arbeit. Ich habe bei 'Solo Piano' keinen Rotwein getrunken und auch nicht den Mond angeschaut. Ich habe darauf geschaut, dass jede Note am richtigen Platz ist. Da schwitze ich, probier was aus, kratz mich am Sack, ja, das ist eben so. Ein guter Musiker ist Handwerker. Der Rest ist Lüge, ein schöner Mythos." Im Film sei die methodische Vorgehensweise mittlerweile akzeptiert. Doch bei Musikern glauben immer noch alle an das Image dieser wilden inspirierten Leute. Aber, selbstredend: "Inspiration existiert nicht."

Das kann man so nicht stehen lassen. Oh, doch, meint Gonzales. "Du musst es ja nicht glauben, aber ich bin hier, um es dir zu erklären, hinter den Kulissen. Man erarbeitet einen Song, dafür habe ich mich sechs Jahre ausbilden lassen. Ich will nicht die Gefühle anderer verletzen, aber wenn ich gefragt werde, kann ich nicht den inspirierten Typen vorgeben, sorry." Insofern sei auch die Frage absurd, ob die Musik ihn widerspiegle. "Musik gibt keine Persönlichkeit wider, definiert keinen Menschen. Wenn es nicht funktioniert, funktioniert es nicht."

Die unberechenbare Seite lebt er live. Sein Jonglieren mit Rollen, die er sich ausdenkt. Denn ist die Arbeit getan, geht es für Gonzales auf den Spielplatz. "Die Spießbürgerlichkeit von Musikern finde ich zum Kotzen. Diesen Code aufzubrechen macht mir viel Spaß. Viele arbeiten schlampig und undiszipliniert, lassen Zufälle und Unfälle stehen. Dann gehen sie auf die Bühne und spielen die gleiche Rolle wie jeder gottverdammte Musiker auf der Welt. Ich arbeite präzise und gönne mir das Herumalbern wie auch den Einfluss auf das Publikum. Da gehört die Unberechenbarkeit hin."

Warum tut er das alles, geht es ihm wirklich um Macht? "Das liegt an meiner Persönlichkeit", erklärt Gonzales und ist immer noch unaufgeregt, aber aufmerksam. "Ich will mich abheben", heißt seine Motivation.

"Geld ist nicht das Essenzielle. Macht bedeutet Kontrolle und Einfluss, das interessiert mich. Würde ich es leugnen, wäre es gelogen. In unserer Gesellschaft darf man das nur nicht zugeben. Aber macht mich das zum Vertreter des Bösen? Ich glaube, dass die meisten ehrgeizigen Menschen an dieser Macht interessiert sind. Das ist nichts Negatives

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