"Ich mag es, Menschen zu überraschen", sagt der 35-Jährige, und man meint, dieser Satz bedeute nichts Ungewöhnliches. Gonzales aber ist vermutlich das einzig wirklich existente Chamäleon im Pop-Busine

ss. Denn dieser Mann agierte vor fünf Jahren als HipHop-Provokateur, etablierte sich in Berlin. Diesen Status baute der Kanadier nicht weiter aus, stellte diesen Gonzales wie ein langweilig gewordenes Spielzeug in die Ecke und zog nach Frankreich. Dort nahm er ein Piano-Album auf. Die reine, unschuldige Schönheit, schlicht "Solo Piano" benannt.
"Diesmal war es ein bisschen schwieriger", lacht er wissend und bezieht sich auf das Überraschen anderer. "Beim Piano-Album dachten alle, oh wie ehrlich, wie authentisch. Aber das war es ja nicht. Ich will nur zeigen, wie fixiert die Menschen sind auf die Einhaltung der Richtlinien. Erst der crazy Rapper, dann der intellektuelle Pianist. Musikalisch gesehen bin ich nicht unberechenbar, sondern konservativ, denn es gibt eine wis

senschaftlich-mathematische Seite der Musik und daher Gründe, weshalb Songs bestimmte Gefühle hervorrufen. Harmonien, Melodien müssen auf bestimmte Weise interagieren, um dann eine bestimmte Reaktion hervorzurufen. Es gibt einen richtigen Weg bei der Produktion eines Songs."
Richtig und falsch also - und der persönliche Geschmack? "Nein", widerspricht Gonzales. "Persönlicher Geschmack existiert nicht." Und das ist keine Diskussionsgrundlage. "Geschmack, also das, was man gut findet, hat nichts mit dem zu tun, was dem Ohr gut tut, es ist die Summe aus Einwirkungen der Umwelt."
Der Mann, der dorthin geht, wo er das Beste für sich erreichen kann ("Deswegen baue ich nie so intensive Beziehungen auf."), weiß um die Nummer eins in seinem Leben, seine Arbeit. "Mich hat schon als Kind interessiert, warum manche Dinge bestimmte Emotionen hervorrufen. Inzwischen habe ich viel gelernt über diese Wissenschaft." In der Tat studierte er das Klavier.
"Auf meinem Album beschäftige ich mich mit der Wechselwirkung aus einem bestimmten Rhythmus und dem daraus folgenden unwillkürlichen Gefühl vom Stuhl aufzustehen, mitgerissen zu werden. Da kommen wir wieder zum Thema, ob ich unberechenbar bin. Nein, ich befolge Regeln, will Regeln befolgen, sie begreifen, statt sie zu brechen. Denn ich möchte diese Macht haben." Nick Cave sagte einmal, ihn berühren seine Songs nicht wirklich. Er kann nicht nachvollziehen, was sie in anderen Leuten auslösen. Das klang in vielen Ohren schon ziemlich unromantisch
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