"Crossing the Bridge - The Sound of Istanbul" - Der Bosporus singt
(tsch) Wer in Deutschland an einem Plattenladen vorbeigeht, hört nichts. In Istanbul dagegen dröhnt die Musik aus den Häusern bis auf die Straße. Der Sound ist überall, keiner kann dem anarchischen Klangteppich der Stadt entgehen. Ein faszinierender Ort für einen wie Alexander Hacke. Der Bassist der Einstürzenden Neubauten kam erstmals mit türkischen Klängen während der Dreharbeiten für Fatih Akins "Gegen die Wand" (2004) in Berührung - er produzierte die Musik dafür. In "Crossing the Bridge - The Sound of Istanbul" (2005) kehrt er in die ihn faszinierende Stadt mit seinem mobilen Aufnahmestudio für professionelles "Street Recording" zurück. Hacke ist in Akins Musik-Doku, die nun als Erstausstrahlung in der ARD zu sehen ist, nicht nur Zuhörer und Erzähler, sondern arbeitet als Sounddetektiv.
Ob Clubsound, Ska-Punk oder Folklore-Kitsch - was aus der Türkei in den letzten Jahren zum Beispiel via "European Song Contest" in Deutschland zu hören war, überraschte durch seine Vielseitigkeit. Das

Herz des musikalischen Aufbruchs schlägt in der Metropole Istanbul mit ihrer jungen Bevölkerung. Hier werden ganz selbstverständlich türkische Tradition und westliche Urbanität gekoppelt - und das auch jenseits des Mainstreams.
Weil sich die Mitglieder der Neo-Psychedelic-Band "Baba Zula" weder im Osten noch im Westen des eurasischen Grenzpostens zu Hause fühlen, verlegten sie ihre Session auf einen alten schwimmenden Dampfer zwischen den Kontinenten. Einsatz für Hacke hieß es da plötzlich, denn der Band fehlte der Bassist. Die guten Argumente eines Musikerkollegen waren auch gefragt, um Sezen Aksu, die Stimme Istanbuls, davon zu überzeugen, mitzumachen.
Sie ist die Göttin und Seele des türkischen "Chanson". Immer wieder gelingt es Fatih Akin und Hacke in "C

rossing the Bridge", das Visuelle und die Töne in Einklang miteinander zu bringen. Jeder der 15 vorgestellten Musiker und Gruppen wird in einem passenden Umfeld inszeniert. So bringt die kurdische Sängerin Aynur sehr atmosphärisch ihre orientalischen, fast sakralen Klagelieder in einem Hamam zu Gehör. Die HipHop-Szene findet man in einer Gegend mit kleinstädtischem Flair. Härter geht es bei den Breakdancern zu, die im Stadtteil Bakirköy ihresgleichen durch Tanzen von Drogen und destruktiven Einflüssen fernhalten wollen.
Ausstrahlung am 18.05.2008 um 23:30 Uhr auf ARD
Autor: Franziska Kramer/teleschau - der mediendienst
Bilder:
NDR / intervista / corazon
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