Colin Farrell: Rockstar, Rebell und Publikumsliebling
(tsch) Möglicherweise hat sich der einstige Rebell Colin Farrell wirklich gewandelt. Nach seinem letzten längeren Aufenthalt in einer Entziehungsklinik im Herbst 2006 scheint sein Leben in ruhigeren Bahnen zu verlaufen. Erstmals nach seiner Zwangspause ist er in der britischen Action-Komödie "Brügge sehen ... und sterben?" (Kinostart: 15.05) im Kino zu sehen und beteuert, dass seine Drogen- und Alkoholabhängigkeit der Vergangenheit angehöre. "Keine Pillen. Kein Alkohol seit über zwei Jahren", gab der 31-Jährige jüngst in einem Interview zu Protokoll. Er habe gelernt, dass "ich nicht aufhören kann, irgendein Teufelszeug in mich hineinzuschütten, wenn ich erst mal anfange". Seine Drogen- und Alkoholsucht habe allerdings nichts mit dem frühen Ruhm zu tun. "Ich war schon als Jugendlicher komplett daneben. Ich war depressiv", so Farrell heute. Ein kleiner Junge eben, der es "ultracool" finde, "zu saufen und ein kleiner Rowdy zu sein".
Die Rockstar-Attitüde steht ihm ohne Zweifel, er ikonisiert die "Scheiß drauf"-Haltung der Problemjugend, kann sich in jüngster Zeit aber auch ganz brav geben. Die Dreharbeiten zu dem Film "Brügge seh

en ... und sterben?" lobt der Schönling, so wie von ihm erwartet. Von einer "herzzerreißenden Geschichte" spricht er und versteigt sich sogar zu der Aussage, das Drehbuch zu dem Film sei "das beste, was ich je gelesen habe". Vielleicht rührt Farrells Begeisterung für die Rolle des Auftragkillers Ray auch daher, dass viel von ihm selbst in ihr steckt. Wenn Regisseur Martin McDonagh seinen Protagonisten als "gefährlich und unberechenbar, aber eben auch feinfühlig, finster und manchmal fast verzweifelt" beschreibt, lesen sich diese Aussagen fast wie eine Charakterisierung von Colin Farrell selbst.
Dessen Karriere begann früh. Mit 17 stand der junge Ire erstmals auf der Bühne, zu dieser Zeit hielt er sich gerade für ein Jahr in Australien auf. Zurück in der Heimat spielte er hie

r und da Theater, tourte sogar mit einer Tanzgruppe durchs Land. Sein älterer Bruder, der heute eine Schauspielschule leitet, finanzierte ihm damals die Ausbildung an der National Performing Arts School, überzeugt vom Talent des Nesthäkchens der sechsköpfigen Familie.
Nach einigen Nebenjobs als Statist, Auftritten in Werbespots und kleineren TV-Rollen wurde er von Kevin Spacey ("American Beauty") entdeckt. Der sah Colin Farrell 1998 zufällig in seiner Rolle als Autist an einem Londoner Theater und war begeistert. Anschließend ging es rasant bergauf und die Angebote häuften sich. Um näher an der Quelle zu sein, zog Farrell nach Los Angeles, wo er 2000 als Hauptdarsteller in der kleineren Produktion "Tigerland" die Kritiker überzeugte. Es folgten Filme an der Seite von Bruce Wil

lis ("Das Tribunal") und Tom Cruise ("Minority Report"). Indes schürten die zahlreichen Medienberichte das Interesse für den Europa-Export, was "Der Einsatz", "Daredevil" und dem Ausnahme-Streifen "Nicht auflegen!" zusätzliche Publicity einbrachte. Für das Historien-Epos "Alexander" blieb das Lob jedoch aus, auch "Miami Vice" strauchelte in den USA.
Dem beruflichen Pech folgt der private Fall: Farrell kommt fast ums Leben, als er während der Feier anlässlich des Drehabschlusses zu "Miami Vice" einen Drogencocktail zu sich nimmt. Rückblickend könnte dies zum Wendepunkt in seinem Leben werden. Nach seiner durch eine Entziehungskur erzwungenen Drehpause im Herbst 2006 stand Farrell für "Pride and Glory" von Regisseur Gavin O'Connor erstmals wieder vor der Kamera
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